20260928 MiJ Die wirtschaftliche Lage der Ukraine Wehrsch Mod
Betrachtet man Hilfszusagen und Finanzierungen der Ukraine durch die EU sowie durch internationale Finanzinstitutionen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Milliarde die kleinste Recheneinheit des Finanzbedarfs der Ukraine ist. 90 Milliarden Euro hat die EU etwa für heuer und das kommende Jahr bereitgestellt, um das Überleben des Landes zu finanzieren; doch weiterhin wachsen die Ausgaben schneller als die Einnahmen; was das bedeutet, analysiert in Kiew der Wirtschaftsexperte Hrihorij Kukuruza so:
Hrihorij Kukuruza:
2’28
„Das heißt: Das ganze Jahr über suchen der Finanzminister und der Präsident nach zusätzlichen Finanzierungsquellen, die über das hinausgehen, was im Haushaltsgesetz vorgesehen war. Für dieses Jahr wurde der Bedarf an ausländischer Finanzierung auf 52 Milliarden geschätzt. Diese Zahl wird definitiv über 52 Milliarden US-Dollar liegen – wahrscheinlich bei 60 oder 70 Milliarden. Ähnlich wird es auch 2027 sein.“
Trotzdem, und trotz der de facto Blockade der Häfen im Großraum Odessa durch russischen Beschuss, und trotz des massiven Krieges Russlands gegen Betriebe, hält die ukrainische Wirtschaft bisher stand, betont Kukuruza:
3’39:
„Seit August wurden bei den Angriffen in Kiew Logistiklager zerstört, und der Einzelhandel wurde stark getroffen. Diese Unternehmen haben Verluste erlitten. Es gibt jedoch andere Händler, die weiterhin andere oder dieselben Waren verkaufen – Haushaltsgeräte, Lebensmittel usw. – und Steuern zahlen. Deshalb bleiben die inländischen Budgeteinnahmen ungefähr auf einem ähnlichen Niveau wie die internationale Hilfe.“
Trotzdem ist die Wirtschaftsperspektive alles andere als rosig. So haben die zwei wichtigsten Stahlwerke ihren Betrieb nach russischen Angriffen einstellen müssen. Die Folgen erläutert der Wirtschaftsexperte so:
7’30:
„Billiger Stahl kommt aus der Türkei. Es entstehen zwar zusätzliche Kosten, aber letztlich wird die heimische Produktion durch Importe ersetzt. Der türkische Stahl ist dadurch nicht teurer geworden. Der ukrainische Produzent fällt weg, und der Import kommt an seine Stelle. Immer mehr heimische Produktion verschwindet und wird durch Importe ersetzt, deren Preis im Grunde gleichbleibt. Die Importe werden mit internationaler Finanzierung bezahlt.“
Zu den negativen Faktoren zählt auch die Demographie; die Geburtenrate ist negativ, die Zahl der Gefallenen, vor allem der Männer, ist hoch, Flüchtlinge werden immer weniger zurückkehren je länger der Krieg dauert, während die Zerstörungen massiv zunehmen. Somit werden auch die Folgen des Krieges enorm und viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, spürbar sein.