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20260929 ORFIII Die wirtschaftliche Lage der Ukraine Wehrsch Mod

Fernsehen
ORFIII
Berichte Ukraine

Wie überlebt ein Land wirtschaftlich im Krieg, und welche Folgen zeitigt der Krieg für die Wirtschaft des Landes. Diese Frage ist im Falle der Ukraine besonders relevant, weil jeder krieg natürlich auch ein Wirtschaftskrieg ist. Diese Frage wird immer drängender, weil Russland seinen strategischen Beschuss auf die gesamte Wirtschaft des Landes ausgedehnt hat. In Kiew hat unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz mit einem Experten über die Herausforderungen des Krieges für die Wirtschaft gesprochen:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine

Inserts: Hrihorij Kukuruza, Ukrainischer Wirtschaftsexperte

Gesamtlänge: 4‘01

Betrachtet man Hilfszusagen und Finanzierungen der Ukraine durch die EU sowie durch internationale Finanzinstitutionen, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Milliarde die kleinste Recheneinheit des Finanzbedarfs der Ukraine ist. 90 Milliarden Euro hat die EU etwa für heuer und das kommende Jahr bereitgestellt, um das Überleben des Landes zu finanzieren; doch weiterhin wachsen die Ausgaben schneller als die Einnahmen:

Hrihorij Kukuruza:
2’28
„Das heißt: Das ganze Jahr über suchen der Finanzminister und der Präsident nach zusätzlichen Finanzierungsquellen, die über das hinausgehen, was im Haushaltsgesetz vorgesehen war. Für dieses Jahr wurde der Bedarf an ausländischer Finanzierung auf 52 Milliarden geschätzt. Diese Zahl wird definitiv über 52 Milliarden US-Dollar liegen – wahrscheinlich bei 60 oder 70 Milliarden. Ähnlich wird es auch 2027 sein.“

Trotzdem, und trotz der de facto Blockade der Häfen im Großraum Odessa durch russischen Beschuss, und trotz des massiven Krieges Russlands gegen Betriebe, hält die ukrainische Wirtschaft bisher stand:

3’39:
„Seit August wurden bei den Angriffen in Kiew Logistiklager zerstört, und der Einzelhandel wurde stark getroffen. Diese Unternehmen haben Verluste erlitten. Es gibt jedoch andere Händler, die weiterhin andere oder dieselben Waren verkaufen – Haushaltsgeräte, Lebensmittel usw. – und Steuern zahlen. Deshalb bleiben die inländischen Budgeteinnahmen ungefähr auf einem ähnlichen Niveau wie die internationale Hilfe.“

Trotzdem ist die Wirtschaftsperspektive alles andere als rosig. So haben die zwei wichtigsten Stahlwerke ihren Betrieb nach russischen Angriffen einstellen müssen. Die Folgen sind gravierend:

7’30:
„Billiger Stahl kommt aus der Türkei. Es entstehen zwar zusätzliche Kosten, aber letztlich wird die heimische Produktion durch Importe ersetzt. Der türkische Stahl ist dadurch nicht teurer geworden. Der ukrainische Produzent fällt weg, und der Import kommt an seine Stelle. Immer mehr heimische Produktion verschwindet und wird durch Importe ersetzt, deren Preis im Grunde gleichbleibt. Die Importe werden mit internationaler Finanzierung bezahlt.“

Klar ist, dass der Krieg auch die wirtschaftlichen und demographischen Schwergewichte in der Ukraine verschiebt und bereits verschoben hat:

**28:40**
Sehen Sie, selbst in Charkiw ist die Bevölkerung heute nicht geringer als vor dem Krieg. Wohlhabendere Menschen, die in Charkiw lebten, sind zu Beginn des Krieges sofort weggezogen. An ihre Stelle kamen Menschen aus der Region Charkiw und aus der Region Donezk. Sie sind ärmer, das stimmt, haben weniger Geld und geben weniger aus. Mit der Zeit werden sie jedoch ebenfalls Ersparnisse bilden und sich dort niederlassen.
Ein Teil der Gebiete ist verloren gegangen, das ist offensichtlich. Die Menschen aus diesen Gebieten sind in andere Städte gezogen und haben begonnen, in Kiew oder in der Westukraine zu leben, wobei das Staatsgebiet insgesamt kleiner geworden ist. Einige Städte sind stark gewachsen. Winnyzja hat heute etwa eine halbe Million Einwohner; vor dem Krieg waren es ungefähr 350.000. Einige Städte entwickeln sich also weiter, aber die Bevölkerung hat sich sehr stark nach Westen verschoben.

Zu den negativen Faktoren zählt auch die Demographie; die Geburtenrate ist negativ, die Zahl der Gefallenen, vor allem der Männer, ist hoch, Flüchtlinge werden immer weniger zurückkehren je länger der Krieg dauert, während die Zerstörungen massiv zunehmen. Somit werden auch die Folgen des Krieges enorm und viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, spürbar sein und bleiben.

Hrihorij Kukuruza:
2’28
Das heißt: Das ganze Jahr über suchen der Finanzminister und der Präsident nach zusätzlichen Finanzierungsquellen, die über das hinausgehen, was im Haushaltsgesetz vorgesehen war. Für dieses Jahr wurde der Bedarf an ausländischer Finanzierung auf 52 Milliarden geschätzt. Diese Zahl wird definitiv über 52 Milliarden US-Dollar liegen – wahrscheinlich bei 60 oder 70 Milliarden. Ähnlich wird es auch 2027 sein.

3’39:
Bei Getreide ist die Situation schwierig. Im Vergleich zur internationalen Hilfe ist der landwirtschaftliche Export inzwischen relativ gering. Das ist grundsätzlich problematisch, aber die Verluste tragen vor allem die Landwirte selbst. Andere Branchen zahlen weiterhin Steuern.
Auch die Situation in den Häfen ist schwierig. Seit August wurden bei den Angriffen in Kiew Logistiklager zerstört, und der Einzelhandel wurde stark getroffen. Diese Unternehmen haben Verluste erlitten. Es gibt jedoch andere Händler, die weiterhin andere oder dieselben Waren verkaufen – Haushaltsgeräte, Lebensmittel usw. – und Steuern zahlen. Deshalb bleiben die inländischen Budgeteinnahmen ungefähr auf einem ähnlichen Niveau wie die internationale Hilfe.

7’30:
Billiger Stahl kommt aus der Türkei. Es entstehen zwar zusätzliche Kosten, aber letztlich wird die heimische Produktion durch Importe ersetzt. Der türkische Stahl ist dadurch nicht teurer geworden. Der ukrainische Produzent fällt weg, und derselbe Import kommt an seine Stelle.
Immer mehr heimische Produktion verschwindet und wird durch Importe ersetzt, deren Preis im Grunde gleich bleibt. Die Importe werden mit internationaler Finanzierung bezahlt.

**24:37**
Das hängt davon ab, unter welchen Bedingungen der Krieg endet und wie die politische Situation danach aussieht. Das ist ausschließlich eine politische Frage.

Was man sicher sagen kann: Eine spezielle Behörde berechnet die Kriegsschäden. Sie geht davon aus, dass etwa 550 Milliarden US-Dollar notwendig wären, um alles Zerstörte wiederaufzubauen.
Aber wahrscheinlich wird man nicht so viele Schulen und Krankenhäuser wiederaufbauen müssen, wie zerstört wurden. Die Bevölkerungszahl ist deutlich geringer, und auch die benötigte Infrastruktur wird geringer sein. Es wäre nicht sinnvoll, alles im selben Umfang wiederherzustellen.
Internationale Unternehmen, die bereits in der Ukraine vertreten sind, werden eine wichtige Rolle spielen. Auch die Diaspora verfügt über Unternehmen und möglicherweise über Ersparnisse und kann zu einem Investitionsinstrument werden.

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