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20260622 ORFIII Das Kiewer Höhlenkloster und die Kinothek Wehr

Fernsehen
ORFIII
Berichte Ukraine

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine

Insert1: Andrij Dontschyk, Generaldirektor des Kinostudios

Insert2: Andrij Dontschyk, Generaldirektor des Kinostudios

Insert3: Pavlo, Mitarbeiter des Katastrophenschutzes

Insert4: Ivan Jagovenko, stell. Direktor des Kulturgüterschutzes des Höhlenklosters

Gesamtlänge: 3‘58

16 Hektar groß ist das Areal des Kinostudios Dovschenko, dessen Tradition in die Zeit der Sowjetunion zurückreicht. Beim Besuch fällt sofort aus, wie sehr der Beschuss auch die Außenfassade in Mitleidenschaft gezogen hat; mehr als 200 Fenster gingen zu Bruch, an der Hauswand liegen viele Glassplitter am Boden. Der Generaldirektor des Kinostudios, Andrij Dontschyk, führt mich zum Ort, wo eine Rakete eingeschlagen hat; selbst fünf Tage später ist noch etwas Rauch zu sehen, riecht es verbrannt. Mit Blick auf die Trümmer schildert er mir den Verlust:

**21:03**
Das waren etwa drei Millionen Gegenstände. Im zweiten Stock befand sich die Schneiderei, die 100.000 Kostüme aufbewahrte: Hüte, eine riesige Menge Schuhe, Anzüge, Uniformen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, deutsche und sowjetische, Offiziers- und Generalsuniformen. Das war bei Filmemachern sehr gefragt. Aus dem Ausland haben sie uns kontaktiert, um Kostüme auszuleihen. Ich habe täglich 10 kleine Verträge für die Vermietung dieser Kostüme unterzeichnet.“

Eine Kommission ist dabei, die Schäden genau festzustellen, der Staat hat finanzielle Hilfe zugesagt, und Freiwillige haben sich gemeldet, um beim Aufräumen zu helfen. Zu retten gilt es auch Filme und andere Gegenstände vor weiteren möglichen Folgen des Krieges:

**10:57**
Wir werden besprechen, was wir mit unseren Sammlungen tun, was wir mit den Filmen und anderen Werten machen. Wir haben nicht nur Filme, sondern auch eine riesige Menge an Requisiten und anderen wertvollen Dingen. Jetzt werden wir überlegen, wo wir sie in unterirdische Räumlichkeiten bringen können, wo wir sie verstecken können. Aber leider, wie die Praxis zeigt, war die Kostümschneiderei auch aus Stahlbeton. Gegen einen direkten Treffer gibt es keine Rettung.

Das zusätzliche Pech des Kinostudios war, dass zeitgleich auch eine zentrale Kirche des Kiewer Höhlenklosters brannte, sodass die Rettungskräfte vor allem dort im Einsatz waren. Nach Angaben des Klosters sind 80 Prozent des Dachs der Uspenski-Kathedrale beschädigt.
Bei meinem Lokalaugenschein sind dort hundert Mitarbeiter von Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz, um den Dachstuch zu reparieren und wetterfest zu machen:

0‘32
„Die Dachkonstruktion ist jetzt vollständig abgebaut. Derzeit installieren die Retter eine temporäre Abdeckung, eine Folie, um das Gebäude und das, was sich im Inneren befindet, vor Wettereinflüssen, Regen oder anderen Niederschlägen zu schützen. Jetzt ist bereits fast die Hälfte der Arbeiten abgeschlossen.“

Schäden verursachten nicht nur das Feuer, sondern auch die unvermeidlichen Löscharbeiten; daher stehen in der Kathedrale viele Ventilatoren und die Türen sind offen, um das Trocknen zu beschleunigen. Und wie steht es um den Wiederaufbau:

„Wir beabsichtigen, umfassende Restaurierungsarbeiten durchzuführen, damit sich Besucher und Gläubige sicher in der Uspenski-Kathedrale aufhalten können. Wir hoffen, bis Ende des Jahres die Projektplanung für diese Restaurierungsarbeiten zu entwickeln. Bei günstigen Bedingungen und entsprechender Finanzierung könnten diese Arbeiten im nächsten Jahr abgeschlossen werden.“

Strittig ist weiterhin, ob Russland das Höhlenkloster absichtlich beschossen oder das Gebäude von Trümmern abgeschossener Raketen oder Drohnen getroffen wurde. Kiew wirft Moskau einen bewussten Angriff vor, Moskau bestreitet das. Noch strittiger ist die Frage, warum das Kinostudio beschossen wurde; Fotos sollen beweisen, dass in der zerstörten Halle Drohnen montiert wurden; bei unserem Lokalaugenschein durfte das angrenzende Gebäude jedenfalls nicht gefilmt werden.