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20260630 Kulturjournal Sophie Heinrich Von Feldkirch bis Lemberg Wehr

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Berichte Ukraine

Sophie Heinrich beim Unterricht in Feldkirch, in der Privathochschule für Musik, die den Namen Stella trägt. Hier studieren Personen aus aller Herren Länder, daher ist auch englisch Unterrichtssprache. In Augsburg geboren und in Wien wohnhaft sieht Sophie Heinrich auch das Unterrichten als sehr wichtig an:

5‘32’03 – Zuhören beim Unterrichten – 5’56,8
"Es war aber auch der große ... sich wahnsinnig befruchtet gegenseitig."

Zugehört hat Sophie Heinrich bei einer Meisterklasse jüngst auch in Lemberg in der Westukraine; zu ihren Schülern zählt dort der 16-jährige Marian; er stammt aus Lemberg und begann mit dem Spielen – ebenso wie Sophie Heinrich – mit vier Jahren; Marian übt täglich bis zu acht Stunden; was bedeutet für ihn das Zusammentreffen mit Sophie Heinrich?

36'1 - Was bringt Meisterklasse - 54'9 (18)
"Das ist äußerst selten, dass es diese Möglichkeit in der Ukraine gibt, dass derart bekannte Musiker kommen, vor allem in der Zeit des Krieges. Von ihnen kann man viel profitieren und auch das Wissen und das eigene Spiel verbessern."

In Lemberg sind ukrainische Musiker und Künstler besonders dankbar für jeden Ausländer, der bereit ist, in der Ukraine aufzutreten; zu den ausländischen Veteranen zählt Dirigent Paul Mann; der Brite ist jedes Jahr drei Mal in Lemberg; mit Sophie Heinrich besprach er in der Philharmonie vor den Proben grundlegende Fragen der Interpretation von Beethovens Violinkonzert; worum geht es dabei insbesondere, frage ich Sophie Heinrich:

22'5 - Absprache mit Dirigent - 42'3
"Man spricht vor allem die Tempi ... ein erstes Kennenlernen."

Aufgeführt wurde beim Konzert nicht nur Beethoven; gespielt hat das Orchester – allerdings ohne Sophie Heinrich – auch die vierte Symphonie des finnischen Komponisten Sibelius; diese Auswahl traf Paul Mann auch im Hinblick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine:

4'24'6 - Widerstand Sibelius gegen Russifizierung - 5'04'5
"Sibelius legte insbesondere in seinen ersten vier Symphonien sein Beharren auf der finnischen Kultur dar, seinen Widerstand gegen Russland in einer Zeit, als es bestrebt war, alles zu ändern und die finnische Volksmusik zu verbieten, und zu beeinflussen, was gehört und gespielt wurde. So unterdrückte Russland das Land in einer Weise, die jemand vielleicht als ähnlich mit dem ansehen würde, was hier passiert. Daher ist es wichtig für uns, das als Symbol zu nutzen, um die ukrainische Unabhängigkeit sowohl politisch als auch kulturell zu stärken."

Die Westukraine zählt historisch zu den Zentren der ukrainischen Identität, aber weiterhin nicht unmittelbar zum Kriegsgebiet; das Leben macht einen entspannten und gemütlichen Eindruck, doch der Kontrast ist enorm – wie auch Sophie Heinrich bei einem Stadtrundgang erfahren musste; denn plötzlich wurde sie Zeuge von Soldatenbegräbnissen in der Garnisonskirche; vier Särge wurden in die Kirche getragen, ehe es zum letzten Geleit auf den Friedhof ging; unmittelbar vor uns weinten Angehörige, eine Witwe trug eine große schwarze Sonnenbrille und musste von ihren Eltern gestützt werden; die Trauer der Angehörigen berührte auch die Künstlerin Sophie Heinrich:

0'6'1 - Schock und Soldatenbegräbnis - 41'2
"Also ich lache, weil ich gerade geweint habe, Grabblumen dabei."

Der Krieg beeinflusst das kulturelle Leben auch in Lemberg; bei Fliegeralarm müssen Proben unterbrochen werden, vor Beginn des Konzerts gab es eine Gedenkminute für die gefallenen Soldaten. Sophie Heinrich spielte in Lemberg das Violinkonzert von Beethoven; es gilt als eines der schwersten Stücke für dieses Instrument:

Besondere Bedeutung hat für die Künstlerin der zweite Satz:

1'00'1 - Beethoven und zweiter Satz - 1'37'0
"Ich liebe Beethoven, weil ... unbedingt spielen wollen hier."

Gemeinsam mit dem britischen Dirigenten Paul Mann und dem Philharmonischen Orchester in Lemberg bezauberte Sophie Heinrich das ukrainische Publikum; darunter war auch Olena, die Sophie Heinrich so erlebt hat:

3'16'1 - Sophie und Bewertung - 3'35'2
„Sie ist sehr emotionell, technisch und gleichzeitig absolut nicht mechanisch. Sie improvisiert, sie arbeitet mit dem Orchester. Sie liebt, was sie tut, und das Wichtigste ist, dass sie dem Orchester sehr gefällt, das war offensichtlich.“

Das Konzert war somit ein wunderbarer Abend, der die schwierige Lage der Ukraine wenigstens für einige Stunden in den Hintergrund gedrängt hat.