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20260302 ORFIII Ukraine Skifahren im Krieg Wehrsch Mod

Fernsehen
Karpaten Skifahren
Berichte Ukraine

Skifahren im Krieg – gibt es so etwas in der Ukraine, die tagtäglich unter russischen Angriffen und Stromausfällen leidet; ja, das gibt es, denn die Ukraine ist ein äußerst großes und heterogenes Land, wobei der äußerste Westen von den Folgen des Krieges bisher deutlich weniger betroffen ist als der Großteil des Landes. Im Raum Mukatschewo im Grenzgebiet zu Ungarn und der Slowakei produziert eine österreichische Firma seit Jahrzehnten Ski für den europäischen Markt. Diese Ski kommen auch im Gebiet Plaj in den Karparten zum Einsatz; auch die Liftanlagen hat vor etwa 20 Jahren ein österreichisches Unternehmen gebaut; in Plaj war jüngst unser Korrespondent Christian Wehrschütz beim Lokalaugenschein:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Westukraine

Insert1: Jura, (19), arbeitet im Schiverleih im Schigebiet Plaj

Insert2: Viktor und Olexandra, Urlauber aus Lemberg

Insert3: Volodimir (19), Skilehrer im Schigebiet Plaj

Insert4: Maxim, Zuständig für Schischule und Schiverleih in Plaj

Insert5: Pawlo, Leiter des landwirtschaftlichen Betriebes von Plaj

Aufsager: Christian Wehrschütz aus den Karpaten

Gesamtlänge: 4‘45

Schneekanonen statt russischer Drohnen, Nachtschifahren statt Stromengpässen in Kiew – das kleine Skigebiet Plaj in den Karpaten zwei Autostunden von der Grenz-stadt Uschgorod entfernt – dokumentiert die Widersprüchlichkeit in der Ukraine.

Die Organisation ist professionell und freundlich zugleich; das zeigt sich bereits beim Skiverleih; es dominiert eine Marke, die eine österreichische Firma im Grenzgebiet zu Ungarn seit vielen Jahren produziert.

Jura 0:01

„Das Set der Kategorie A kostet umgerechnet 18 Euro. Das ist ein Helm, Schuhe, Stöcke und Ski. Ohne Brille. Die Brille kostet plus fünf Euro. Es gibt die Kategorie B, eine etwas einfachere Klasse. Das kostet 13 Euro; die Ausstattung ist die gleiche.“

90 Prozent der Urlauber leihen sich die Ausrüstung aus, ehe es dann Richtung Pisten geht. Für österreichische Verhältnisse günstig sind die Liftkarten. Eine Tageskarte von neun bis 21 Uhr kostet 25 Euro. Die meisten Urlauber kommen aus der Westukraine; manche waren vor dem Krieg auch in Österreich auf Skiurlaub. Was motiviert zum Skifahren in Kriegszeiten?

0’48 (prema kraju) Viktor

„Skifahren gibt immer die Möglichkeit, abzuschalten. Wenn du auf dem Berg bist, auf der Piste, denkst du an die Pisten, an die Skier, an die Technik. Wenn du dir Ziele setzt, um mehr zu lernen, schaust du, wie die Skilehrer fahren. In diesem Moment schaltet dein Verstand vollständig um; und das ist Erholung.“

Die Skilehrer sind alles Ukrainer; 12 Stunden mit einem Lehrer kosten 180 Euro. Volodimir ist 19 Jahre alt; er arbeitet bereits die zweite Saison als Skilehrer:

0’39 Volodimir

„Die Ausbildung dauert 10 Tage. Ich bin Skilehrer der Kategorie C. Das ist ein Fähigkeitslevel, den ein Lehrer zu 100 Prozent beherrscht und mit dem er seine Kunden unterrichten kann.“

Zum Skigebiet zählen drei Hotels mit etwa 400 Betten; in der besten Kategorie kostet ein Doppelzimmer mit Frühstück knapp 140 Euro pro Tag, ist also nicht nur für ukrainische Verhältnisse nicht billig. Trotzdem sind die Hotels ausgebucht. Zur Sicherheit sind alle Hotels und Lifte mit Generatoren ausgestattet, die den Betrieb rund um die Uhr gewährleisten. Und wie wichtig sind auch hier Schneekanonen?

Maxim 9:19

„Künstlicher Schnee ist sehr wichtig; ohne ihn gäbe es hier wahrscheinlich schon keine Saison mehr. Natürlichen Schnee gibt es in den vergangenen Jahren wegen der globalen Erwärmung äußerst wenig.“

Auch daher dauert die Saison hier in den Karpaten vier Monate; jeder Tag ist wichtig, denn dieses Skigebiet und seine Hotels sind ein wichtiger regionaler Arbeitgeber in der Ukraine.

Denn auch dieser landwirtschaftliche Betrieb gehört zum Skigebiet. Sein Leiter, Pawlo, führt mich durch die Anlage; das gesamte Gelände umfasst 12 Hektar; dazu zählen Ställe für Rinder und Büffel, wobei die Rinder der Rasse Simmentaler vor vielen Jahren aus Österreich in die Karpaten importiert wurden; diese Tiere sind hervorragende Milchkühe:

Pawlo 15‘54

„Der durchschnittliche Milchertrag pro Tier beträgt hier unter unseren Bedingungen bei Simmentalern 24-26 Liter pro Tag. Der Fettgehalt liegt bei mindestens 4,8 Prozent. Das Eiweiß liegt heute bei 3,4 Prozent. Das ist eine sehr hochwertige Milch, um es milde auszudrücken.“

Im Geschäft, das zum Betrieb gehört, kann man die Fertigprodukte kaufen; dazu zählen insbesondere Käse und Würste. Sie werden nicht nur im eigenen Restaurant, sondern auch im Skigebiet verarbeitet und an Touristen verkauft, ein Umstand, der zeigt, welche Bedeutung Ressort und Landwirtschaft haben werden können, sobald Friede in der Ukraine herrschen wird.

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