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20250905 ORF III Deep State Chronisten des Krieges in der Ukraine Wehrsch Mod

Fernsehen
ORF III
Berichte Ukraine

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine

Insert1: Roman, Mitbegründer von Deep State

Insert2: Ruslan, Mitbegründer von Deep State

Insert3: Roman, Mitbegründer von Deep State

Insert4: Roman, Mitbegründer von Deep State

Gesamtlänge: 4’30

Welche Möglichkeiten haben Zivilisten und Journalisten, sich regelmäßig und seriös über den Kriegsverlauf in der Ukraine zu informieren; eine davon heißt Deep State in der Ukraine. Gegründet haben Deep State vor mehr als drei Jahren der nun 30-jährige Ruslan, ein Jurist, und der 26-jährige Roman, ein IT-Fachmann. Herzstück der Organisation ist diese Landkarte; sie zeigt nicht nur die aktuelle Lage an der Front, sondern bietet viele weitere Funktionen, vom Wetter bis zur Möglichkeit, Frontverschiebungen über die Zeitachse nachzuvollziehen. Zwischen 700.000 und einer Millionen Abfragen registriert die Organisation nach eigenen Angaben täglich. Und was sind die Quellen?

ROMAN **5:48** (Quellen) (45)
„Öffentliche und nicht öffentliche. Öffentliche waren zu Beginn die Hauptquelle also alle Informationen aus dem Internet, Fotos, Videos, Aufzeichnungen, wo wir in erster Linie bestimmte Ereignisse geolokalisieren, sie analysieren und untersuchen. Heute macht das sehr wenig aus. Wir haben einen guten Ruf und große Popularität und daher enorme Kommunikationskanäle mit Einheiten und Brigaden an jeder Frontlinie, die Informationen mit uns teilen. Wir halten mit ihnen Kontakt, gleichen ihre Informationen ab und analysieren sie. Schließlich werden sie auf der Karte in unserer Analyse angezeigt.“

Telegramm-Kanäle sind voll von Videos von der Front; hinzu kommt der Informationskrieg. Wie kann Deep State all das anfallende Material, all die Quellen bewältigen? Wie überprüfen die 100 Mitarbeiter die Angaben?

**9:52** Ruslan (45)
„Um zu verifizieren, wo ein Video gemacht wurde, schauen sich unsere OSINT-Mitarbeiter die Location an, suchen sie, bestätigen sie. Wenn diese Location zum Beispiel außerhalb der roten Zone oder außerhalb der grauen Zone liegt, fragen wir die Einheit, wer die Gegner sind und was sie gemacht haben. Als Beispiel hat das russische Verteidigungsministerium jüngst erklärt, dass sie ein bestimmtes Dorf eingenommen haben. Unsere militärische Einheit schickt uns die Russen, die die Flagge gehisst haben, sie sind gefangen. Ihre Flagge hängt jetzt in unserem Hauptquartier. Das heißt, dass das Hissen der Flagge nicht bestätigt, dass ein Dorf tatsächlich eingenommen wurde.“

In Kiew hat Deep State nicht nur Büroräume, sondern auch ein kleines Museum; Kriegsrelikte sind hier ebenso zu finden wie viele Danksagungen für die geleistete Arbeit sowie die Fahnen militärischer Einheiten. Ist Deep State trotz seiner engen Vernetzung mit dem Militär unabhängig in der Darstellung der Entwicklung an der Front?

ROMAN **11:36**(22)
„Mit dem Verteidigungsministerium haben wir ein Memorandum unterzeichnet, aber das bezieht sich nicht auf die Arbeit mit der Karte, also auf das, was wir tun. Daher gibt es offiziell keine Kooperation diesbezüglich, keine Abhängigkeit, wir sind unabhängig und führen unsere Arbeit selbstständig.“

Trotzdem gibt es Grenzen bei der Darstellung der militärischen Lage:

ROMAN **12:23**(19)
„Wenn es ihre Sicherheit gefährdet, wird die Veröffentlichung überhaupt nicht diskutiert, denn die Sicherheit unserer Soldaten hat oberste Priorität. Aber wie die Praxis zeigt, arbeiten wir bereits im vierten Jahr in diesem Bereich, also hat sich das eingespielt.“

In der Regel nicht genutzt werden russische Quellen; sie hält Deep State für nicht vertrauenswürdig. Trotzdem wird Deep State dereinst für Militärhistoriker eine sehr wichtige Quelle sein, weil der Kriegsverlauf in der Ukraine täglich nachvollziehbar ist.

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