20250512 MiJ Was denken Ukrainer zum Treffen Putin Selenskij Wehrsch Mod
1’57
Am Donnerstag sollen in Istanbul Vladimir Putin und Volodimir Selenskij zusammentreffen. Kommt es dazu, wäre das das erste Treffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine seit Kriegsbeginn vor mehr als drei Jahren. Doch was sagen die Ukrainer dazu. Unser Korrespondent Christian Wehrschütz hat sich in Kiew und Odessa dazu auf der Straße umgehört:
Straßenbefragungen sind nicht repräsentativ, trotzdem aber aufschlussreich. So war keiner Befragten gegen ein Treffen zwischen Putin und Selenskij, doch Skepsis und Vorbehalte überwiegen. So sagt etwa Anatoli in Kiew:
Anatoli in Kiew
0:30
„Mein Sohn ist zu Beginn all dessen, im Jahr 2015, gefallen. Natürlich ist es an der Zeit, dass es aufhört, aber was ist das? Ich weiß nicht, zu welchem Preis es gelingen wird.“
Skeptisch zu den Erfolgschancen äußert sich in Kiew auch Juri:
0:56
Ich denke, dass es dort nichts Konkretes geben wird. Putin wird trotzdem auf seinem Standpunkt bestehen, deshalb glaube ich, dass wir aus diesem Treffen nichts Nützliches gewinnen werden.
In dieselbe Kerbe schlägt in Odessa auch Valerij:
1'37'8 - Gespräche ja, aber - 1'55'3
"Verhandlungen kann es geben, das ist nützlich, doch was wird das Ergebnis sein, das ist wichtig. Werden Sie aufhören zu schießen und unser Staatsgebiet verlassen, das ist die große Frage."
Eher zur Minderheit gehört Olga aus der Hafenstadt Odessa, die immer wieder von Russland beschossen wird; sie sagt zu Istanbul:
Olga aus Odessa
3’08 – 3’12
„Wir hoffen, dass es stattfinden wird. Wir müssen uns an den Verhandlungstisch setzen. Wie kann sonst Frieden erreicht werden?
Alle Befragten lehnte eine völkerrechtliche Anerkennung besetzter Gebiete ab; bei der de facto Abtretung geben die Antworten kein klares Bild. Olga aus Odessa sieht dazu keine Alternative und sagt:
3:48
„Welchen Ausweg haben wir? Entweder das Leben unserer Mitbürger oder Territorien. Das Leben ist wertvoller.“
Dagegen sagt in Kiew Antonina zu einem möglichen Friedensschluss:
1:14
„Unter vorteilhaften Bedingungen für uns. Damit uns unsere Territorien zurückgegeben werden, damit all die Jungs, die ihr Leben für uns, für unseren Staat gegeben haben, das nicht umsonst war.“