20250310 ZiB1 US-Amerikanerin im Kriegseinsatz in Ukraine Wehrsch Mod
Bei dem Begriff Kriegshelden sieht man in der Kriegsgeschichte vorwiegend Generäle, hochrangige Offiziere und hochdekorierte Soldaten. Doch viele der wahren Helden werden nie erwähnt; dazu zählen bei den Armeen etwa die Sanitäter, die auch im Krieg in der Ukraine oft Kopf und Kragen riskieren, um verwundete Soldaten zu bergen und zu versorgen. In der Ukraine fast seit Kriegsbeginn im Einsatz ist auch eine US-Amerikanerin; mit ihr hat unser Korrespondent Christian Wehrschütz in der Ostukraine über ihr Leben und ihre Motive gesprochen
Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ostukraine
Inserts: Jennifer Mullee, US-Amerikanische Freiwillige in der Ukraine
0’56: Insert Archivbilder Dezember 2022
Gesamtlänge: 1’47
Jennifer Mullee ist drahtig, mittelgroß, energiegeladen aber auch abgekämpft, weil wir uns in der Ostukraine unmittelbar nach ihrer 72-Stunden-Schicht an der Frontlinie treffen. Jennifer ist leitende Sanitäterin in einer ukrainischen Brigade, fährt aber immer wieder direkt in den Einsatz. Ein Mitfahren war nicht gestattet, doch Videos zeigen sie knapp hinter der Front beim Bergen und Verarzten Verwundeter mit Verbandszeug und Spritzen.
Wie lange dauert es in der Regel, bis ein Verwundeter von der vordersten Front bis zur San-Erstversorgung kommt?
11'23'9 - Wettlauf gegen die Zeit - 11'43'3 (21)
"Die sogenannte "Goldene Stunde der Evakuierung gibt es nicht mehr. Wir sind glücklich, wenn wir jemanden binnen drei, vier Stunden sehen. Doch Verwundete können auch tagelang ohne Evakuierung sein, weil der Einsatz von Drohnen endlos ist, und das macht die Evakuierung unmöglich."
Jennifer Mullee ist 49 Jahre alt, hat zwei erwachsene Töchter, ist Nachfahre irischer Auswanderer, katholisch, und hat Anthropologie und Militärgeschichte studiert. Gemacht hat Jennifer aber auch eine Ausbildung als Krankenschwester; warum ist sie in der Ukraine im Einsatz?
1'03'7 - Budapest und Afghanistan - 1'46'7 (33)
"Die USA haben 1994 das Memorandum von Budapest unterzeichnet und darin der Ukraine Zusicherungen für ihre Souveränität und ihre Grenzen abgegeben. Als eine Amerikanerin denke ich, dass wir in der Welt zu unserem Wort stehen sollten."
Als Kritik an Donald Trump will Jennifer diese Begründung nicht verstanden wissen; die Ukraine brauche Frieden, daher sei die Initiative des US-Präsidenten im Grunde notwendig und sinnvoll, sagte sie mir.