20241105 Sondersendung Wahlnacht Beziehungen USA Ukraine Wehrsch Mod
Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine
Insert1: Juna, Bewohner von Kiew
Insert2: Markus Reisner, Oberst des Bundesheeres
Insert3: Kost Bondarenko, Ukrainischer Politologe
Insert4: Alexander, Bewohner von Kiew
Gesamtlänge: 3’23
Das Denkmal der ukrainischen und russischen Brudervölker symbolisierte in Kiew die Zeit der Sowjetunion, die auch von einer massiven Russifizierung der Ukraine geprägt war. Den Todesstoß versetzten dieser Ideologie die Annexion der Krim sowie der russische Großangriff im Februar 2022. Die USA sind nun die neue Schutzmacht, politisch und militärisch. Doch uneingeschränkt ist diese Hilfe des neuen großen Bruders nicht; das wissen viele Ukrainer, wie eine Straßenbefragung zeigt:
10:58 **Juna**
„Zu einem bestimmten Zeitpunkt haben sie uns sehr stark geholfen, zu einem anderen Zeitpunkt, im entscheidenden Moment, haben wir nicht das Gewünschte, Notwendige von ihnen erhalten.“
Die langwierige Debatte über die Lieferung von Kampfflugzeugen der Type F16 ist ein gutes Beispiel dafür. 3000 Stück soll es weltweit geben, nur sechs wurden bisher geliefert. Doch die F16 ist kein Einzelfall bei US-Waffenlieferungen:
2'22'7 - USA und Waffensysteme - 3'01'0
"Und was wir hier sehen, ist, ... mit weitreichenden Waffensystemen."
Gerade wegen der enormen Abhängigkeit der Ukraine von den USA wird der Wahlkampf in Kiew sehr genau verfolgt. Mit beiden Kandidaten traf Präsident Volodimir Selenskij bereits in den USA zusammen; doch die Politik gegenüber der Ukraine werden nicht nur der Präsident oder die Präsidentin prägen:
10:41 Bondarenko
„In erheblichem Maße hängt vieles auch von drei Positionen ab: Wer Außenminister, Chef des Pentagons sowie Nationaler Sicherheitsberater wird. Diese drei Positionen sowie der Konsens zwischen ihnen werden die Haltung des neuen Präsidenten zur Ukraine beeinflussen.“
Und was bedeutet die Wahl für die Unterstützung der Ukraine?
12:11 Bondarenko
„In beiden Fällen wird es weniger Geld und weniger Waffen geben.“
In der Ukraine sind bei einer Straßenbefragung die Bürger geteilter Meinung, ob Harris oder Trump für die Ukraine besser wäre. Doch groß sind die Erwartungen nicht:
18:49 **Alexander**
„Ein Sprichwort, das eigene Hemd ist einem näher als der Rock. Ich denke, die Staaten werden alles tun, was für sie vorteilhaft ist und nicht für andere. Deshalb, welcher Präsident auch immer kommt, er wird zuerst an sich und sein Land denken, und nicht an die Ukraine.“
Somit bleibt für Kiew abzuwarten, bis sich in Washington neue politische Strukturen gebildet haben: bis dahin muss die Ukraine versuchen, so wenig wie möglich Territorium an Russland zu verlieren, denn auf dem Schlachtfeld werden Fakten geschaffen, die mögliche Friedensgespräche beeinflussen werden.