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20240819 ORFIII Ostukraine Pokrovsk vor dem Sturm Wehrsch Mod

Fernsehen
ORFIII
Berichte Ukraine

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Pokrovsk

Insert1: Katarina Janschula, Pressesprecherin der Militärverwaltung von Pokrovsk

Insert2: Dascha Kurch, Leiterin eines privaten Tierheims Pokrovsk

Insert3: Dascha Kurch, Leiterin eines privaten Tierheims Pokrovsk

Insert4: Olena Damjanez, Raiffeisen-Filiale in Pokrovsk

Insert5: Olena Bagljuk, Leiterin der Privatbank in Pokrovsk

Insert6: Jevhenija Tkatschenko, private Bäckerei in Pokrovsk

Gesamtlänge: 4’10

Vor vier Jahren zählte Pokrovsk noch mehr als 60.000 Einwohner; wie viele es nun sind, ist unklar; die Spuren des Krieges sind klar sichtbar, und je näher die Front rückt, desto mehr Zivilisten werden in Sicherheit gebracht. Sammelpunkt ist diese Schule. 1800 Personen wurden binnen weniger Tage schon aus der Stadt und Kriegsgebieten evakuiert:

Katarina Janschula: 1'41'3 - Wer wird evakuiert - 2'10'2
"Evakuiert werden vor allem Personen, die selbst niemanden haben, zu dem sie fahren könnten. Sie werden beispielsweise in Studentenheimen, Kindergärten und Schulen untergebracht; dort können sie bleiben, bis sie eine Unterkunft gefunden haben."

Mit dem Bus geht es zunächst zum Bahnhof; von dort geht es weiter nach Lemberg und in andere, weitgehend sichere Orte. Vor der Evakuierung steht auch dieses private Tierheim. Hunde und Katzen bilden die Mehrheit der 70 Bewohner, die in der Zentralukraine ein neues zu Hause finden werden. Möglich machen das freiwillige Helfer und Spenden aus der EU:

Dascha Kurch 3'25'8 - Viele Tiere bleiben zurück -
"Die Lage ist zum Weinen; täglich soll ich zwischen 30 und 40 neue Tiere aufnehmen, doch ich habe keinen Platz. Aber es gibt große Organisationen in Kiew, die Tiere evakuieren. Zwischen 4000 und 5000 Tiere werden in dieser Stadt in etwa herrenlos zurückbleiben. Das wird eine Katastrophe. Ein Problem besteht darin, dass es schwierig ist, eine Wohnung zu bekommen, wenn man mit Haustieren geflüchtet ist; viele Vermieter wollen keine Hunde und Katzen.“

11 Tiere hat das Heim aber auch bereits bei Familien in Europa untergebracht:

Dascha Kurch 1'41'5 - Wie Familie gefunden - 1'52
"Ich arbeite mit Freiwilligen aus Europa zusammen; sie helfen uns, eine Familie zu finden. Wir erledigen die Formalitäten, und nach der Quarantäne reisen die Tiere aus."

Auf die Evakuierung bereitet sich auch die Wirtschaft vor. Diese Filiale einer österreichischen Bank ist bereits geschlossen; auch die Filialleiterin wird in wenigen Tagen die Stadt verlassen, bleibt aber bei der Bank tätig, entweder von zu Hause aus oder in der Filiale einer anderen Stadt. Hat der Krieg das Geschäft beeinträchtigt?

Olena Damjanez 1'51'5 - Auswirkungen auf Arbeit? - 2'05'7
"Auf unsere Arbeit hat sich die Lage nicht ausgewirkt, aber als es völlig unsicher wurde, als die Front weniger als 15 Kilometer entfernt war, da wurde die Entscheidung zur Evakuierung getroffen."

Diese Staatsbank harrt noch aus, doch die Vorbereitungen sind bereits abgeschlossen. Einen Run auf die Bank gibt es nicht; die Kunden bekommen ihr Geld auf die Karte, und online-Geschäfte sind weit verbreitet. Traurig ist insbesondere das Schicksal der Filialleiterin. Sie arbeitete zunächst in Donezk; floh dann von dort nach Mariupol und schließlich nach Beginn des großen Krieges nach Pokrovsk:

9'49'8 - Wissen wohin im Falle des Falles - 10'17'3
"Die Mitarbeiterinnen wissen in etwa bereits, wohin sie fahren werden. Einige haben gewisse Sachen bereits evakuiert, entweder selbst oder durch einen privaten Postdienst. Für mich ist das einfacher, weil ich hier nur eine Wohnung gemietet habe, und daher nur den Schlüssel übergeben muss.“

Die Fassade der Bank ist verbarrikadiert; durch Beschuss wurde ein Nachbargebäude schwer beschädigt, und Splitte trafen auch die Filiale. Ihre Arbeiten einstellen wird auch diese Bäckerei; sie liefert nach wie vor humanitäre Hilfe auch in Frontnähe aus, doch die Bewegungsfreiheit wird immer geringer. Daher soll von der Zentralukraine aus weitergearbeitet werden:

Jevhenija Tkatschenko 7'01 - Volksmeinung - 7'32'5
"Ich spreche mit vielen Leuten; und 90 Prozent sind überzeugt, dass die Russen die Stadt nicht erobern werden. Doch die Menschen haben Angst vor dem Beschuss mit Drohnen, Artillerie und Raketen, weil sie um ihre Habe fürchten."

Die Region Pokrovsk ist ein Zentrum der Schwerindustrie und ein strategisch wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Bleibt zu hoffen, dass der Stadt massive Zerstörungen erspart bleiben mögen.

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