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Die Lage der Tataren auf der Krim

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Berichte Ukraine

Seit mehr als vier Jahren ist die Halbinsel Krim nun Teil Russlands, ein Anschluss, den völkerrechtlich weder China noch die USA oder die EU und schon gar nicht die Ukraine anerkannt haben. Was Russland als Wiedervereinigung bezeichnet ist für Washington, Brüssel und Kiew eine völkerrechtswidrige Annexion. Die einzige Bevölkerungsgruppe, die Anfang März 2014 auf der Krim versuchte, zivilen Widerstand gegen den Anschluss zu leisten und auch das sogenannte Referendum boykottierte, waren die 300.000 Tararen, die etwa 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Etwa 40.000 Tataren gingen in die Ukraine, ein Teil ihrer Führung wurde von Russland ausgewiesen. Diese tararischen Exil-Organisationen werfen den russischen Behörden massive Menschenrechtsverletzungen vor; es gebe etwa 100 politische Gefangenen, etwa 60 davon seien Tataren. Die Vorwürfe des Terrorismus seien nur ein Vorwand, Geständnisse würden unter der Folter erpresst. Russland und die Krim-Führung weisen diese Vorwürfe zurück:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz von der Krim

Insert1: Mamed Mambetow, tatarischer Rechtsanwalt  

Insert2: Sejtumir Demitulaew, Dachverband „Einheit der Krim“

Insert3: Sejtumir Demitulaew, Dachverband „Einheit der Krim“

Gesamtlänge: 2’44

Bachtschissarai war die Hauptstadt des Khanats der Tataren, das vor mehr als 230 Jahren von Russland annektiert wurde. Bis zur Deportation der Tataren unter Stalin im Jahre 1944 war es einer von drei Orten mit krimtatarischer Bevölkerungsmehrheit. In einer der Moscheen der Stadt diskutierten vor neun Monaten etwa 100 Tataren die Rolle Russlands in Syrien und andere politische Themen. Russische Sicherheitskräfte verhafteten darauf hin Tataren unter dem Vorwurf, einer nicht nur in Russland verbotenen islamischen Organisation anzugehören; einer der Anwälte der Tataren sieht diese Vorwürfe nur als Vorwand:

"Die Tataren leben nun auf der Krim wieder etwa 30 Jahre und es gab niemals Fälle von Terrorismus und Extremismus bis zur Präsenz Russlands auf der Halbinsel. Die russische Gesetzgebung ist einfach sehr gut dazu geeignet, Andersdenkende zu bekämpfen; diese Instrumente werden nun angewandt. In ukrainischer Zeit war diese Organisation nicht verboten, wobei die Teilnahme dieser betroffenen Bürger an dieser Organisation bisher nicht bewiesen wurde. Das ist nur ein Instrument, um uns zu verleumden und vielleicht auch, um so mit uns abzurechnen, weil die Krim-Tataren am Referendum im Jahre 2014 nicht teilgenommen haben."

Auf der Krim gibt es auch Tataren, die für eine Zusammenarbeit mit Russland sind; selbst von ihnen kommt vorsichtige Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte bei Hausdurchsuchungen:

"Um eine Familie zu überprüfen muss man nicht maskiert kommen. Wir sind ein äußerst friedliebendes Volk und gewaltsame Demonstrationen mit Blutvergießen gab es bei uns nie. Doch das Gesetzt gilt für alle und überall, und die Vorgangsweise der Polizei kann ich nicht beurteilen."

Trotzdem wird die ukrainische Ära negativ bewerten:

"Jetzt ist es besser, doch es bleibt noch viel zu tun. Dazu zählt der Sprachgebrauch; wir würden uns es wirklich sehr wünschen, dass bei Schulbeginn am 1. September Krim-Tatarisch als Fach in jeder Schule unterrichtet wird. Das wird nicht der Fall sein. Das Parlament zählt 75 Abgeordnete, davon sind nur drei Krim-Tataren. Doch wenn wir an den Wahlen teilnehmen und es mehr krim-tatarische Abgeordnete gibt, dann wird diese Frage leichter zu lösen sein; und daran arbeiten wir."

Erst Wladimir Putin habe die Tataren im April 2014 völlig rehabilitiert. Auch der Bau der zentralen Moschee sei erst unter Russland möglich geworden, denn in ukrainischer Zeit seien weder Bauland zugeteilt noch eine Baugenehmigung erteilt worden.

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