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20251005 ZiB2 Sturz von Milosevic vor 25 Jahren in Serbien Wehrschütz Mod

Fernsehen
ZiB2
Berichte Serbien

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Belgrad:

Insert1: Dragan, Bewohner von Belgrad

Insert2: Natascha, Bewohnerin von Belgrad

Insert3: Goran Svilanovic, Außenminister in den Jahren 2000 bis 2004

Gesamtlänge: 1‘58

Der Sturm auf das Bundesparlament begann am frühen Nachmittag. Die Polizei war nicht mehr bereit, sich mit aller Kraft dem Volkszorn entgegenzustellen. Am Abend des 6.10, akzeptierte Milosevic seine Niederlage, am 7. Oktober wurde Vojislav Kostunica als Präsident vereidigt. 25 Jahre später überwiegen bei einer Straßenbefragung jene, die im fünften Oktober eine versäumte Gelegenheit sehen:

Dragan 0‘16
“Versuch demokratischer Änderungen! Es war ein erfolgloser Versuch; leider, daher sind wir jetzt dort, wo wir sind.“

Doch es gibt auch etwas Optimismus:

Natascha: 3’29:
„Es gab große Änderungen, und wir hoffen, dass sie sich wiederholen.“

Ob die Studentendemonstrationen, die bereits11 Monaten dauern, zu politischen Änderungen führen werden, ist ebenso offen wie die Frage, ob diese Bewegung proeuropäischer ist als die amtierende politische Führung. In diesem Sinne beurteil auch ein Urgestein der Opposition gegen Slobodan Milosevic den 5. Oktober als verpasste Chance:

8’30 Svilanovic
„Der entscheidende Unterschied zu heute besteht darin, dass es damals tatsächlich den aufrichtigen Glauben gab, dass die Veränderungen des 5. Oktober, diese Türöffnung, für Serbien einen Schritt in Richtung EU bedeutet. Heute erwähnen diese jungen Männer und Frauen die EU nur sehr selten, und sie haben einen Grund dafür, denn in den vergangenen 25 Jahren hat sich fast nichts, oder zumindest nicht genug, getan.“

Während der Einfluss von EU und USA in Serbien schwächer wurde, nahm die Rolle zu, die Russland und China spielen. Präsident Alexander Vucic versucht einen Balanceakt zwischen den Großmächten und der EU; wie lange dieser Drahtseilakt gut gehen wird, bleibt abzuwarten.

Zu den bekannten Oppositionspolitikern zählte damals Goran Svilanovic, der bis 2004 dann Außenminister war. Rückblickend und vergleichend sieht er gerade auch in der EU-Perspektive massive Unterschiede:

8‘30
„Ich denke, dass eine riesige Chance verpasst wurde. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen dem, was heute passiert, und dem, was damals geschah, wenn wir über das Jahr 2000 sprechen. Damals gab es tatsächlich den aufrichtigen Glauben, dass die Veränderungen des 5. Oktober 2000, diese Türöffnungen, dass Serbien und Montenegro damals einen Schritt in Richtung EU machten. Heute erwähnen diese jungen Männer und Frauen die EU nur sehr selten, und sie haben einen Grund dafür, denn in den vergangenen 25 Jahren hat sich fast nichts, oder zumindest nicht genug, getan.“

Denn bei den Studentendemonstrationen gegen Präsident Alexander Vucic sind fast nie Fahnen der EU zu sehen. Sie hat in Serbien massiv an Bedeutung verloren; zu lange dauert bereits der Marsch nach von Belgrad nach Brüssel, belastet zunächst durch das Haager Tribunal sowie durch das Dauerproblem Kosovo und die Erweiterungsmüdigkeit der EU, die sich ersten wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine zu legen begann. Doch massiv geändert hat sich seit dem fünften Oktober 2000 auch das geopolitische Umfeld, betont Goran Svilanovic:

32‘52
Damals stand die Euro-Atlantische Gemeinschaft auf soliden Füßen. Die Kommunikation zwischen den USA und der EU war lebendig, und die Positionen waren abgestimmt. Heute haben wir das nicht. Russland war damals nicht so engagiert wie jetzt in dieser Region, und wir haben den Ukraine-Krieg. Auch China war damals bei weitem nicht so stark.“

In Serbien ist eine prowestliche Opposition kaum zu finden, und weder Opposition noch Studenten haben bisher eine Führungsfigur noch ein Programm präsentiert, das über die Gegnerschaft zu Vucic hinausgeht; vor 25 Jahren reichte die Gegnerschaft zu Milosevic; die Lage war katastrophal, und mit Kostunica und Djindjic standen zwei Führungsfiguren zur Verfügung. Ihre Achse überdauerte Milosevics Sturz nur um wenige Wochen; im März 2003 wurde Zoran Djindjic in Belgrad ermordet, ein Attentat, das den Lauf der Geschichte Serbiens tiefgreifend verändert hat.

„Wir können während der zweiten Trump-Administration nicht über die Euro-Atlantische Partnerschaft in der gleichen Weise sprechen wie damals. Daher war der Glaube, dass wir Teil der EU werden würden, viel stärker als heute. Jetzt ist alles ganz anders. Es sind zwei verschiedene Welten sind.“

In diesem Sinne versucht Serbiens Präsident Alexander Vucic einen Balanceakt zwischen den Großmächten und der EU; wie lange dieser Drahtseilakt gut gehen wird, bleibt abzuwarten.

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