20251004 Kleine Zeitung Interview mit serbischem Außenminister Wehrsch
MD: „Es ist unsere Verantwortung, sicherzustellen, dass solche Dinge nicht geschehen. Diese Bereitschaft zur Verantwortung haben wir gezeigt. Mehrere Minister und Beamte wurden strafrechtlich verfolgt, einige befinden sich in Untersuchungshaft. Es laufen ernsthafte Gerichtsverfahren, um die Verantwortung festzustellen und Gerechtigkeit durchzusetzen. Die gesamte Regierung trat zurück;
eine neue wurde unter der Leitung eines Universitätsprofessors gebildet, mit dem Ziel, gesellschaftliche Spannungen zu verringern. Das hat dazu geführt, dass der Betrieb von Schulen in Serbien vollständig normalisiert wurde, die Universitäten praktisch vollständig und jetzt der Unterricht an der Universität normal verläuft.“
KLZ: Im Sommer war Serbien wiederum ein Ort, wo russische Instruktoren Extremisten aus der Republik Moldau trainiert haben, voraussichtlich um Unruhen vor der Parlamentswahl Ende September zu provozieren. Das war nicht das erste Mal in Serbien, dessen Behörden erst tätig wurden, nachdem die moldauische Polizei bereits Verdächtige verhaftet hat. Wie sind derartige Camps in Serbien möglich?
MD: „Ich bin damit zufrieden, dass die serbischen Behörden solche Aktivitäten gestoppt und Personen festgenommen haben, die versuchten, unsere Bürger oder unser Territorium für Handlungen gegen unsere Freunde zu missbrauchen. Unsere Behörden haben solche Gruppen in zwei Fällen, nicht nur jetzt, sondern auch im Vorjahr gestoppt. Serbien wird eine klare Botschaft senden, dass es kein Ort sein kann, von dem aus feindliche Handlungen gegen andere europäische Staaten durchgeführt werden.“
KLZ: Serbien gilt vielen Bürgern in Osteuropa als fünfte Kolonne Moskaus; wie verhält sich Serbien gegenüber der Ukraine?
MD: „Serbien trägt mit seinen Taten oft mehr zur europäischen Sicherheit und zur gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik bei als viele Länder, die verbal zu 100 Prozent zur Außen- und Sicherheitspolitik der EU stehen. Serbien ist das Land, das 93 Prozent der gesamten Hilfe aus der Region Südosteuropas für das Volk der Ukraine geleistet hat, weil wir wissen, was Leid und Elend im Krieg bedeutet.“
KLZ: Danke für das Gespräch
Das Interview in Belgrad führte Christian Wehrschütz