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20250318 Kleine Zeitung Interview mit Alexander Vucic

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Kleine Zeitung
Berichte Serbien

AV; Vier Monate lang hat sich Unzufriedenheit aufgebaut. Nach vier Monaten erreichte sie ihren Höhepunkt. Auf diesen Tag wurde vier Monate lang hingearbeitet. Vier Monate lang gab es etwas gerechtfertigte Unzufriedenheit, größtenteils induziert, sowohl von außen als auch von innen, um dorthin zu gelangen. Natürlich respektiere ich jeden Menschen, der an irgendwelchen Demonstrationen teilnimmt, und ich bemühe mich immer, darauf zu reagieren. Besonders stolz bin ich darauf, dass wir als Staat es geschafft haben, das auf die bestmögliche Weise zu handhaben, ohne einen einzigen Schlagstock, ohne irgendetwas, ohne jegliche Gewalt.

KLZ: Wer sind Ihrer Ansicht nach die Träger dieser Unzufriedenheit in Serbien?

AV: Besonders wenn man über Unzufriedenheit spricht, konnte man sehen, dass es sich um einen Aufstand von größtenteils wohlhabenden Menschen handelt, die am besten in diesem Land leben, und besonders in den Städten, wo man am besten lebt. In Belgrad liegt das Durchschnittsgehalt bei über 1150 Euro, und dieser Aufstand ist am stärksten in Belgrad, in Novi Sad und anderen großen Städten, aber nicht in Orten, wo die Gehälter niedriger sind, wo auch viel für die Bürger getan wurde. Wir haben in unserer Geschichte die meisten Straßen und Gleise gebaut. Die Gehälter sind die höchsten in der Geschichte Serbiens, die Renten sind die höchsten in der Geschichte Serbiens.“

KLZ: Aber die Studentenproteste begannen doch wegen des Einsturzes des Vordaches am Bahnhof in Novi Sad am 1. Novmeber 2024. Vermutet wurden Korruption, Schlamperei und Misswirtschaft bei der Bauführung. Sehen Sie das nicht als die Gründe für die Proteste an?

AV: Korruption hat nichts mit dem zu tun, was in Novi Sad passiert ist. Alles andere hat damit zu tun, aber das hat nichts damit zu tun. Also, wir untersuchen jetzt auch den korrupten Teil und den Teil des fachlichen Unwissens, das ohne Zweifel verantwortlich ist für das, was in Novi Sad passiert ist. Außer dass die Fakultät für technische Wissenschaften in Novi Sad sogar sagt, dass die Schuld bei denen aus den 1960er Jahren lag, die das schlecht gemacht haben, und dass die beiden Seile bereits völlig gerissen waren usw. Aber jemand aus dem Fachbereich hätte das feststellen müssen, damit früher reagiert werden kann, um die Tragödie zu verhindern. Und alle verantwortlichen Personen, egal ob sie für den korrupten Teil oder für den Zusammenbruch des Daches verantwortlich sind, werden nicht nur nicht angeklagt, sondern ich bin mir sicher, dass die zuständigen Justizbehörden entsprechende Urteile gegen sie fällen werden.

KLZ: Die Studenten geben an, dass noch nicht alle ihre Forderungen erfüllt wurden; Sie und die Regierung behaupten das Gegenteil. Was kann auch die serbische Führung tun, um Spannungen abzubauen?

„AV: Man wird aus dieser Situation herauskommen, wenn die Menschen erkennen, dass die Revolution in Serbien nicht erfolgreich sein wird. Es waren viele Menschen, aber ohne jegliches Programm, ohne jeglichen Plan. Und es wird noch eine Weile dauern und dann ist es vorbei. Einige inoffizielle Kontakte hatten wir, aber es ist schwer, zu etwas Rationalem zu kommen.“

KLZ: Sie sprechen von Faktoren von Außen, vom Versuch einer Revolution, vom Versuch eines Umsturzes in Serbien. Warum sollte das jemand in Zeiten wollen, in denen es genug Krisen gibt?

AV: „Aber es ist nötig, ein ungehorsames Regime zu stürzen, ein Regime zu stürzen, das keine Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt hat, ein Regime zu stürzen, das nicht im Interesse der regionalen Länder ist, die möchten, dass Serbien so schwach wie möglich ist, weil es auf diese Weise das Gleichgewicht stört, an das sie gewöhnt sind.“

KLZ: Aber welche Beweise haben Sie für diese Behauptung?

AV: „Wenn Sie mich nach Details fragen, denken Sie nur daran, wie viel diese Versammlung gekostet hat. Sie wissen selbst, dass das nicht ohne zig Millionen Euro ablaufen konnte. Nur eine Versammlung. Und ganz zu schweigen von allem anderen. Das weiß jeder. Und von der gesamten Organisation und allem anderen.“

KLZ: Nun, nicht nur die Studenten bestreiten diese Behauptungen. Ihre Proteste haben aber dazu geführt, dass der Ministerpräsident zurücktreten musste. Wird es einen neuen geben, wenn ja, wann?

AV: „In einem Monat vielleicht, wenn es einen geben wird. Wenn nicht, gehen wir am 8. Juni zu den Wahlen. Ich habe überhaupt nicht mit den Leuten darüber gesprochen. Wir warten darauf, dass der Rücktritt des Ministerpräsidenten festgestellt wird. Danach haben wir noch 30 Tage, und dann werden wir mit allen sprechen.“

KLZ: Gibt es eigentlich noch eine realistische EU-Perspektive für Serbien und den Westbalkan? Ist das überhaupt noch ein Thema für Sie nach so vielen Jahren?

AV: „Ich denke nicht, dass das jetzt jemanden besonders interessiert, trotz der schönen Worte. Ich glaube, vielen Menschen in Europa fehlt diese Art von strategischem Denken, aber wir haben unsere eigenen Probleme und möchten ebenfalls, dass unsere Wirtschaft am schnellsten wächst, und damit beschäftigen wir uns. Wenn wir Fortschritte in Richtung Europa machen können, ist das super, wenn nicht, ist es auch in Ordnung.“

KLZ: Wir danken für das Gespräch; es führte in Belgrad Christian Wehrschütz

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