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Wachsender Einfluss der Türkei im ehemaligen Jugoslawien

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Berichte Serbien


Fast 500 Jahre lang war die Türkei eine Großmacht am Balkan. Im 20. Jahrhundert ging dieser Einfluss massiv zurück, doch nun wächst er wieder spürbar an, und zwar in allen Bereichen des Lebens, von der Wirtschaft bis hin zur Massenkultur. So zählen türkische Serien zu den großen Rennern nicht nur in den Teilen des ehemaligen Jugoslawien, wo vor allem Muslime leben. Enorm populär sind diese Serien etwa auch in Kroatien oder in Serbien, Länder, für die der Kampf gegen die Osmanen bis heute ein wichtiger Teil ihrer Geschichte ist. Aus Belgrad berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Dieser Szenenausschnitt stammt aus der Serie, „Suleiman der Prächtige“. Die serbischen Zuschauer hören die Seifenoper in der Originalsprache, weil in Serbien ausländische Filme untertitelt aber nicht synchronisiert werden. Die Serie, die weit mehr als 100 Episoden umfasst, schildert ohne besonderen Bezug zur historischen Wahrheit das Leben am Hofe des Sultans, der von 1520 bis 1566 regierte und auch als Eroberer Belgrads in die Geschichte einging. Nun erobert „Suleiman der Prächtige“ die Fernsehschirme, gibt es doch Episoden, die jeder dritte Serbe sah, der an dem besagten Abend vor dem Fernseher saß. Den großen Erfolg erklärt der Medienforscher Darko Brocic in Belgrad so:

„Das ist etwas Exotisches, das Teil unserer Geschichte war. In der Serie gibt es Liebesgeschichten ohne Sex und Gewalt, und das zieht offenbar an. Ob das Besatzer, Christen oder Muslime waren, das ist ein anderes Thema. Doch diese Liebensgeschichten ziehen die Zuschauer an, und das zeigt sich auch daran, dass viel mehr Frauen zuschauen als Männer.“

Bewusst macht die Serie vielen Serben wieder, wie viele Wörter aus dem Türkischen Eingang ins Serbische Gefunden haben. Diese im ganzen Balkan populären Seifenopern, sind ein gutes Symbol für den wachsenden Einfluss der Türkei in der Region, der alle Lebensbereiche umfasst, und zwar vom Militär bis hin zur Bildung. Nicht nur in Bosnien gibt es immer mehr Schulen und Universitäten, die von privaten türkischen Stiftungen finanziert werden. Dabei wächst in Sarajewo nicht nur die Zahl der Bosniaken, die diese Schulen besuchen, sondern auch immer mehr Türken studieren in Bosnien. Am stärksten ist der Einfluss natürlich dort, wo türkische Minderheiten oder Muslime leben; das betrifft neben Bosnien, Albanien, den Kosovo und Mazedonien. Doch auch in Kroatien und Serbien wächst der Einfluss. Dazu sagt der serbische Orientalist und ehemalige jugoslawische Botschafter in Ankara, Darko Tanaskovic:

„Wenn man wirtschaftlich präsent ist, wenn man deine Serien schaut, wenn man türkische Kuchen ist und türkische Konsumwaren kauft, wenn Kinder in türkischen Schulen unterrichtet werden, dann schafft man hier einen wirklichen Einfluss in der Zukunft. Und es ist sicher, dass die Türkei so immer präsenter wird. Dazu zählt auch, dass Tausende serbische Touristen in der Türkei Urlaub machen. Das ändert die Wahrnehmung ebenso im positiven Sinne wie die TV-Serien, die hunderttausende Zuschauer haben.“

Für Tanaskovic sind diese Aktivitäten Teil eine neo-osmanistischen Außenpolitik, die vor allem von Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und von Außenminister Ahmet Davutoglu forciert wird. Neben einer intensiven Außenpolitik sind auch immer mehr türkische Firmen präsent. Im ehemaligen Jugoslawien sind ihre Investitionen in absoluten Zahlen noch gering, doch die Wachstumsraten zeigen, dass mit Unternehmern aus der Türkei am Balkan immer stärker zu rechnen sein wird.

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