× Logo Mobil

Ivica Dacic – vom Saulus zum Paulus in Serbien

Fernsehen
ZiB2
Berichte Serbien


Die Parlamentswahl in Serbien vom vergangenen Sonntag kennt nur einen wirklichen Sieger: die SPS, die Sozialistische Partei unter Innenminister Ivica Dacic. Die Partei konnte ihren Stimmen von sieben auf mehr als 14 Prozent verdoppeln. Sie ist nun Königsmacher, weil die beiden großen Blöcke von Staatspräsident Boris Tadic und Tomislav Nikolic ohne die SPS keine Regierung bilden können. Vor mehr als 10 Jahren, nach dem Sturz von Slobodan Milosevic und dem Sturm auf die Parteizentrale am 5. Oktober 2000, hätte wohl niemand den Sozialisten einen derartigen Wiederaufstieg vorhergesagt. Möglich gemacht haben ihn der Konflikt der neuen demokratischen Kräfte sowie die schwierige soziale und wirtschaftliche Lage und den nunmehr 46-jährige Ivica Dacic. Nunmehr Innenminister war Dacic in der Ära von Slobodan Milosevic Pressesprecher der SPS..

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Serbien:

Insert1: Ivica Dacic,SPS-Vorsitzender

Insert2: SPS-Vorsitzender

Aufsager: Christian Wehrschütz aus Belgrad

Gesamtlänge: 2’35

Nach dem Tod von Slobodan Milosevic in einer Zelle des Haager Tribunals im April 2006 schlug die große Stunde des Ivica Dacic. Bei den Trauerfeierlichkeiten noch deutlich im Hintergrund, entmachtete Dacic alte Kader und übernahm im Dezember 2006 den SPS-Vorsitz; Dacic modernisierte die Partei und brachte sie auf einen Pro-EU-Kurs. Nach der Parlamentswahl 2008 schloss er eine historische Koalition mit der Demokratischen Partei von Staatspräsident Boris Tadic, dem langjährigen größten politischen Gegner. Seine Sichtweise der Ära Milosevic formulierte Dacic damals im ORF-Interview so:

“ Unsere Politik ist es, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen, dass sich etwas nicht wiederholt, was nicht Bestand hat. Doch ungeachtet dessen, wie jemand von außen auf diese Politik schaut, waren viele damalige Fehler weit geringer als jene, die sich nach 2000 ereignet haben.“

Das mag eine äußerst umstrittene Sichtweise in Serbien sein. Unumstritten ist, dass Dacic seine Chance als Innenminister nützte; er profilierte sich als Kämpfer gegen Korruption und Kriminalität und verbesserte das Image der Polizei deutlich. Hinzu kommt seine Liebe zum Gesang, die auch auf dem parteieigenen Kanal von YouTube gezeigt wird. …. All das bringt Sympathie und auch davon profitierte die SPS bei der Wahl am Sonntag. Ihre Wähler werden den Ausschlag bei der Stichwahl um das Präsidentenamt geben. Noch in der Wahlnacht forderte Dacic das Amt des Ministerpräsidenten:

„Um aufrichtig zu sein: vielleicht weiß man in Serbien nicht, wer Präsident wird, doch ich denke, dass man genau weiß, wer Regierungschef sein wird.“

Vieles spricht dafür, dass Ivica Dacic dieses Amt in einer weiteren Koalition mit Tadics Demokraten ausüben wird. Sie sind bereits Mitglied der Sozialistischen Internationale, und dorthin will auch Dacic seine SPS führen, damit die Partei die Schatten ihrer Vergangenheit endgültig abwerfen kann.

Facebook Facebook