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20260531 ORFIII Kosovo Frust vor der dritten Parlamentswahl Wehrschütz Mod

Fernsehen
ORFIII
Berichte Kosovo

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Prishtina

Insert1: Dardan Gashi, Journalist und ehemaliger Umweltminister

Insert2: Gursen Ramosaj, Geographieprofessor im Ruhestand

Insert3: Benjamin Kolenovic, Jungunternehmer in Pristina

Insert4: Albinot Maloku, Politologe in Pristina

Gesamtlänge: 3’34

Wie absurd die politische Lähmung anmutet, zeigt der Umstand, dass bei der Wahl im Dezember Albin Kurti und seine Partei Selbstbestimmung die absolute Mehrheit im Parlament gewann; trotzdem gibt es nun Neuwahlen, weil im Parlament der Wahl des Staatspräsidenten am mangelnden Präsenzquorum der Abgeordneten gescheitert ist. Ein guter Kenner der Stimmung im Kosovo ist Dardan Gashi, Journalist und ehemaliger Umweltminister; Gashi hat lange in Wien gelebt; daher frage ich ihn formlos – wie angfressen sind die Kosovaren?

Dardan Gashi:
42'3 - Wie angefressen - 1'13'9
"Ja, sehr natürlich - steht natürlich Vieles."

Trotz des Unmutes ist es nicht leicht, bei Straßenbefragungen die Stimmung in der Bevölkerung einzufangen; kaum einer willen vor der Kamera reden, und wenn dann nur Männer; dazu zählt der pensionierte Geographie-Professor Gursen Ramosaj; die Krise bewertet er so:

1,24 – 1,36
„Deshalb verlassen junge Menschen das Land, sie verlassen es vermehrt und lassen sich in anderen europäischen Ländern nieder, aber auch in den USA.“

Ein junger Unternehmer, der geblieben ist, heißt Benjamin Kolenovic; der Bosnier aus dem Kosovo ist 32 Jahre alt, leitet seine Direkt-Online-Marketing-Firma und beschäftigt 25 Mitarbeiter, überwiegend junge Kosovarinnen. Spürt er die Krise im Kosovo

Benjamin Kolenovic: 11:28
Ja, absolut. Wir arbeiten mit vielen Kunden hier im Kosovo, und es gab Momente, in denen wir keinen Zugang zu EU-Wachstumsfonds hatten. Das hat zuerst den gesamten IT-Sektor betroffen, unsere Fähigkeit und unsere Möglichkeiten, uns an die neuesten Technologien im Bereich KI anzupassen usw. Dann sprechen wir über unzureichenden Cashflow, denn wenn es keine Investitionen gibt, gibt es keinen Cashflow. Und wenn es keinen Cashflow gibt, fehlt es an Investitionen in Wachstum. Insgesamt haben die Wahlen eine Art Gefühl der Instabilität geschaffen.“

Doch eine Änderung ist kaum in Sicht; nach Einschätzung aller Gesprächspartner ist es unwahrscheinlich, dass die Parlamentswahl am 7. Juni am konfrontativen Klima im Kosovo etwas ändern werden:
Albinot Maloku: (Politologe in Pristina)
1.39–3.12
„Meiner Ansicht nach ist dies auf einen ausgeprägten Egozentrismus der größten politischen Kraft, der Selbstbestimmungs-Bewegung von Albin Kurti, zurückzuführen; sie versteht das Konzept von Kompromiss und Partnerschaft nicht. Gleichzeitig wird damit die Notwendigkeit missachtet, die die Verfassung der Republik Kosovo hervorbringt; sie basiert auf Einheit und Zusammenarbeit und nicht auf Konfrontation.“

„NEW Born – Neu geboren“ steht auf diesem Denkmal, das an die Erklärung der Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien im Jahre 2008 erinnert. Doch die Euphorie von damals ist längst verflogen, weil auch im Kosovo die innere Entwicklung die Hoffnungen von damals enttäuscht hat.