20250207 ORFIII Kosovo Reportage vor der Wahl Wehrschütz Mod
Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus dem Kosovo
Insert1: Bjeshka Guri , Jugendinitiative für Menschenrechte
Insert2: Avni Podrimaj, Eigentümer der Firma Podrimaj
Insert3: Avni Podrimaj, Eigentümer der Firma Podrimaj
Insert4: Lulzim Rafuna, Präsident der Handelskammer des Kosovo
Insert5: Enver Hoxhaj, ehemaliger Außenminister des Kosovo
Insert6: Albin Kurti, Ministerpräsident des Kosovo
Insert7: Albin Kurti, Ministerpräsident des Kosovo
Insert8: Dardan Gashi, ehemaliger Umweltminister und Journalist
Gesamtlänge: 5’58
Ein Spaziergang durch Pristina gewährt Einblicke in das Selbstverständnis des Kosovo und das Leben in der Stadt. Weit verbreitet sind Anklänge an den Kampf gegen Serbien der mit dem NATO-Krieg 1999 endete. „Liria ka emer“ – Freiheit hat einen Namen“ steht auf diesem Hochhaus mit dem Symbol der Freischärler-Bewegung UCK daneben. Weitgehend verdrängt werden zivile Opfer des Krieges; ihnen ist in Pristina dieses kleine Museum gewidmet, das vor allem Schicksale von Frauen und Kindern aufgreift. Bei meinem Besuch fiel immer wieder der Strom aus, trotzdem konnte diese Jugendinitiative eine klare Botschaft vermitteln:
Bjeshka Guri 2'39'0 - Heroische Gesellschaft -2'53'6
"Wir sahen die Notwendigkeit für ein derartiges Museum auch im Kosovo, weil die Erfahrungen ziviler Opfer vergessen werden in dieser sehr militarisierten kollektiven Erinnerung, in der wir leben."
Doch 25 Jahre später dominieren Probleme des Alltags, wie dieses Grafitti an einer Hauswand zeigt: „170 Euro Mindestlohn, 350 Euro eine Wohnung in Pristina. Nach wie vor wird im Kosovo viel zu wenig selbst produziert. Einer Milliarde Exporte stehen sechs Milliarden Importe gegenüber; dabei produziert diese Firma in Peja im Grenzgebiet zu Montenegro sehr modern Styropor und Farben:
0’42 ( u fabrici)
„Wir stellen mehr als 1.000 Produkte her. Hier sind die Rohstoffe, und hier ist die größte Linie zur Herstellung von Farben. Das sind zwei Mischer, die jeweils 8.000 kg Farbe herstellen können. Ich plane, am 1. März die Produktion zu starten, es sind neue Maschinen, mit denen wir jetzt auch auf den europäischen Markt gehen können, ohne irgendwelche Probleme.
Mehr als ein Drittel der Produktion wird exportiert, vor allem in die EU:
3’04: (u kancelarij)
„In acht Jahren haben wir etwa 10 Millionen Euro investiert, ohne jegliche Unterstützung des Staates; die Finanzierung kam von Banken zu einem ziemlich hohen Zinsniveau. Die Wirtschaft im Kosovo hat sich bis jetzt wirklich schwer entwickelt, aber der große Wille hat uns geholfen, zu wachsen.“
Doch es gibt noch andere, früher unbekannte Probleme im Kosovo:
0’37:
„Eine Herausforderung bleibt der Mangel an Arbeitskräften, und zum anderen gibt es nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte, die den Anforderungen des Marktes entsprechen, Dazu sind Reformen im Bildungssystem erforderlich. Reformen sind auch im Gesundheitssystem und in der Justiz nötig. Wenn ein Unternehmen einen Vertrag hat, so darf dessen Durchsetzung nicht zwei oder drei Jahre auf sich warten lassen sondern muss innerhalb von 30 oder 60 Tagen gelöst werden, wie es das Gesetz vorsieht, denn für Unternehmen ist Zeit Geld.“
Auch im Wahlkampf war Bildung ein Thema. Eine spezielle Konferenz mit Lehrern organisierte die Oppositionspartei PDK in Pristina. Sie wirbt mit dem Motto: „Kosovo kann es besser“. Im Falle der Schule sollen Lehrer auch besser motiviert und bezahlt sein:
1'49'7 Mehr Geld und Weiterbildung der Lehrer 2'08'5
"Wir versuchen mit jedem Preis ... auch weitergebildet werden."
Ministerpräsident Albin Kurti und seine Partei „Selbstbestimmung“ werben mit dem Slogan „Von einer Ecke zur anderen.“ Gemeint ist damit ein umfassender politischer Ansatz für den ganzen Kosovo. Seine Bilanz formuliert Kurti so:
1.20
„In den 4 Jahren betrug das durchschnittliche Wirtschaftswachstum sechs Prozent. Weiters haben wir soziale Hilfe verteilt an junge Mütter, an Kinder, die Renten um 20 Prozent erhöht und den Studenten ein kostenloses Studium ermöglicht. Gleichzeitig haben wir den privaten Sektor unterstützt, insbesondere Landwirte und Bauern, sowie alle Unternehmer, die investiert haben. Auf diese Weise hat sich das Verhältnis von Import und Export, das 1 zu 9 war, nun auf 1 zu 6 verändert.“
Und wie steht es um die Normalisierung der Beziehungen mit Belgrad?
5.03
„Es ist eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Kosovo und Serbien mit gegenseitiger Anerkennung notwendig; das haben wir Ende Februar 2023 als Grundsatzvereinbarung in Brüssel erreicht und einen Monat später in Ohrid angewendet, als Anhang, aber Serbien hat ein Schreiben nach Brüssel geschickt, in dem es sagt, dass es die territoriale Integrität Kosovo nicht respektiert, unterzeichnet von der ehemaligen Premierministerin Brnabić. Dieses Schreiben muss zurückgezogen werden.“
Doch den nicht nur von Belgrad verlangten Bund serbischer Gemeinden hat die Regierung des Kosovo noch immer nicht gebildet. Im serbisch dominierten Norden kam es wiederholt zu Ausschreitungen und die Serben boykottieren die gemeinsamen staatlichen Institutionen, während Pristina weiterhin versucht, seine Autorität im Norden durchzusetzen. Diese Vorgangsweise ist auch unter Albanern umstritten:
Dardan Gashi 3'18'3 - Kritik an der Politik im Norden - 3'30'5
"Also das heißt die Idee, dass du sagst .... ist nicht unbedingt ein Erfolg."
Bessere Beziehungen zur serbischen Volksgruppe und zu Serbien wird die Herausforderung für die nächste Regierung sein, weil nur dann eine weitere EU-Annäherung für Pristina möglich ist.