20250207 MiJ Kosovo wählt Parlament Wehrschütz Mod
Die Kundgebung der Regierungspartei „Selbstbestimmung“ in der Stadt Podujevo im Grenzgebiet zu Serbien ist recht gut besucht. Am Abend ist es bitterkalt, doch Albin Kurti, dem Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten des Kosovo, gelingt es, gute Stimmung zu verbreiten. Nichts wird dem Zufall überlassen, mehrere Kameras sind im Einsatz, und die Funktioniere wissen offenbar genau, wann sie Albin Kurti zu rufen haben. Der 50-jährige verspricht mehr Kredite für investierende Betriebe aber auch den Aufbau eines dualen Bildungssystems; Albin Kurti:
**Kurti von Marjana 3**
„Zwei, drei Tage Arbeit in der Fabrik, zwei, drei Tage Lernen in der Schule, um praktisches Wissen anzuwenden. Auf diese Weise werden die Kinder ab 16 Jahren in ihrem Kopf die Verbindung zwischen Verdienst und Arbeit und Engagement herstellen. Damit sie den Verdienst nicht mit Schicksal oder Kriminalität verbinden, sondern mit Arbeit und Engagement. So werden wir neue Kräfte auf den Markt bringen.“
Negativ bewerten die Oppositionsparteien die vierjährige Amtszeit des einstigen Studentenführers Albin Kurti. Hoffnung auf einen Machtwechsel machen sich drei Parteien, die alle bereits regiert haben, nach Umfragen aber nur gemeinsam eine Chance haben sollten, einen Machtwechsel herbeizuführen. Dazu zählt die PDK, die Demokratische Partei des Kosovo; sie wirbt mit dem Motto: „Kosovo mundet ma mire“ – zu Deutsch: der Kosovo kann es besser. Was damit gemeint ist, erläutert der ehemalige Außenminister Enver Hoxhaj, der fließend Deutsch spricht, so:
36'02 - Hoxhaj - 1'06'9
"Wir hatten eine Regierung, die nicht im Stande war, ... außenpolitische Ziele auch erreichen."
Insbesondere die Konfrontation mit Belgrad führte nicht nur zu Ausschreitungen im Nordkosovo und zum andauernden Boykott staatlicher Institutionen durch die Serben; vielmehr verschlechterte sich dadurch auch das Verhältnis des Kosovo zu EU und USA, die erst vor wenigen Tagen öffentlich klar gemacht haben, dass sie Kurti nicht als Partner betrachten. Ob er am Sonntag eine weitere Amtszeit gewinnt, ist offen; Meinungsumfragen ergeben kein klares Bild. Klar zeigt die Parlamentswahl aber auch die demographischen Probleme des Kosovo. Die Bevölkerung beträgt nur mehr 1,6 Millionen, wahlberichtigt sind aber mehr als zwei Millionen Albaner, denn die Auswanderung ist ein weiteres Problem des Kosovo.