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„Warten auf Godot“ ? Der mühevolle Weg zum Kosovo-Status

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Berichte Kosovo
Die Uraufführung von „Warten auf Godot“ im Jahre 1953 machte den Autor des Stückes, Samuel Beckett, über Nacht weltberühmt und revolutionierte das Theater. Wladimir und Estragon warten ein Stück lang vergebens auf Herrn Godot, der doch nicht kommt. In der realen Welt des Balkan warten die Albaner und die Region seit dem NATO-Krieg vor mehr als acht Jahren auf die Regelung des internationalen Status des Kosovo, der entgegen aller prognostizierten Fristen bisher noch immer nicht gekommen ist. Sicher ist, dass Wladimir, in der realen Welt die Serben, und Estragon, die Albaner, den Status nicht festlegen können, denn sie warten darauf auf den beiden entgegen gesetzten Enden der internationalen Bühne. Die Serben sind strikt gegen die Unabhängigkeit, die Albaner wollen nichts anderes.

Auf der Suche nach Godot und seinem Status, wechseln daher nur die internationalen Akteure. Zunächst waren es Marti Ahtisaari und Albert Rohan, die im Auftrag der UNO einen detailierten Plan ausarbeiteten und eine von EU und NATO überwachte Unabhängigkeit vorsahen. Der Plan scheiterte in der UNO am Widerstand der Russen und an der Uneinigkeit der EU. Nun sucht eine Trojka, bestehend aus einem Russen, einem US-Amerikaner und einem Deutschen als Vertreter der EU, eine Lösung. Erste direkte Verhandlungen fanden bereit in New York statt, die zweite Runde wird Mitte Oktober in Brüssel stattfinden. Bis 10 Dezember soll die Trojka der UNO einen Bericht vorlegen.

Sollten Albaner und Serben wie erwartet nicht einlenken, sind nur folgende Varianten möglich: Moskau lenkt ein, und der Kosovo wird mit dem Sanctus der UNO unabhängig. Moskau lenkt nicht ein, und die EU findet keine einheitliche Linie, der Status wird auf die lange Bank geschoben, und der Balkan bleibt weiter instabil und eine Geißel des Kosovo-Problems. Am wahrscheinlichsten ist derzeit, dass sich die EU doch noch durchringt und mit den USA die Unabhängigkeit des Kosovo ohne UNO-Sicherheitsrat akzeptiert. An der völkerrechtlichen Rechtfertigung des „Präzedenzfalles“ wird bereits gearbeitet; denn anders als auf den Brettern, die die Welt bedeuten, muss am Balkan Godot auftreten, weil der Status quo zwischen Wladimir/Serbien und Estragon/Albaner nicht mehr haltbar ist.

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