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Berichte Bosnien

11.000 Bewohner von Sarajewo starben im Bosnien-Krieg in den Jahren von 1992 bis 1995 durch das Feuer der serbischen Belagerer; sie beschossen die Stadt nicht nur mit Granatwerfern und Artillerie; im Einsatz waren Scharfschützen, Serben, Söldner aber auch Privatpersonen, die an der sogenannten „Sarajewo-Safari“ teilnehmen konnten. Mehrere hundert Personen, viele davon aus Italien aber nicht nur, sollen auch mit eigenen Waffen nach Sarajewo gebracht worden sein, um ihrer Mordlust frönen zu können. In Mailand sind nun jüngst erste Verdächtige von der Staatsanwaltschaft einvernommen worden

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Satajewo

Insert1: Stana Cisic, Mutter eines in Sarajewo getöteten Kindes

Insert2: Edin Subasic, ehemaliger Mitarbeiter des bosnischen Geheimdienstes

Gesamtlänge: 1’54

Im Zentrum von Sarajewo stehen sechs Metallzylinder; darauf eingraviert sind 1601 Namen, die Namen jener Kinder, die während der serbischen Belagerung getötet wurden. Zu den Opfern zählt die damals ein Jahr alte Irina, die im Oktober 1993 von einem Scharfschützen ermordet wurde.

02:36
„Es war gegen 17 Uhr. Mein Mann und ich, wir unterhielten uns mit der Nachbarin. Ich hielt diesen Ort für ziemlich geschützt, weil auf beiden Seiten Gebäude waren. Irina wollte etwas herumlaufen. Da hörte ich nur einen dumpfen Ton und sah, dass mein Kind die Kraft verliert.“

Ob Irina ein Opfer der Sarajewo-Safari wurde, ist unklar. Regelrechte Preislisten soll es gegeben haben, wobei die Ermordung von Kindern am meisten kostete. Beim Jüdischen Friedhof befanden sich Scharfschützen-Nester; hier treffe ich einen ehemaligen Mitarbeiter des bosnischen Geheimdienstes; er erfuhr von der Safari durch die Aussage eines serbischen Kriegsgefangenen:  

7:24
„In einem Auto lernte der Serbe fünf Italiener kennen, die aus Mailand kamen, eigene Waffen dabeihatten, und auf dem Weg nach Sarajewo waren. Er fragte sie nach dem Geld, dass sie bekommen, um für die Serben zu kämpfen. Einer der Italiener antwortete, dass sie die Serben bezahlen, um in Sarajevo auf Zivilisten schießen zu können. Wir sind keine Soldaten, wir sind Jäger, wir sind auf Safari gekommen.“

Aktenkundig ist der Fall auch durch zwei Aussagen vor dem Haager Tribunal, und zwar seit 20 Jahren. In Sarajewo erinnert dieses Museum an die ermordeten Kinder; aufbewahrt wird hier Geschoss, das Irina tötete. Ob ihr Mörder je zur Rechenschaft gezogen wird, muss bezweifelt werden, wobei die Ermittlungen in Mailand noch am Anfang stehen.

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