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Anfang Juni war der konservative Ministerpräsident Sali Berisha dank österreichischer Hilfe ganz in seinem Element. Am Fluss Devoll fand der Spatenstich für eine Kette aus drei Speicherkraftwerken statt, die der niederösterreichische Stromversor Anfang Juni war der konservative Ministerpräsident Sali Berisha dank österreichischer Hilfe ganz in seinem Element. Am Fluss Devoll fand der Spatenstich für eine Kette aus drei Speicherkraftwerken statt, die der niederösterreichische Stromversorger EVN gemeinsam mit einem norwegischen Partner errichten will. Die Kinder der Gegend hatten schulfrei und vor jubelnden Anhängern verkündete Berisha eine Investition von einer Milliarde Euro und drückte gemeinsam mit den Vertretern der E-Wirtschaft und mit Landeshauptmann Erwin Pröll auf einen roten Knopf. 20 Meter entfernt begann eine Maschine ein Loch in den Boden zu bohren. Nach dem Abzug der Journalisten hörte das Bohren sofort auf, weil mit der Bau der Kraftwerke erst in etwa zwei Jahren bevorsteht, wenn alle Untersuchungen und Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind. Doch es ist eben Wahlkampf und Sali Berisha ist zugute zu halten, dass er nur wenige „Potemkinsche Dörfer“ eröffnet. Denn Albanien hat sich in den vier Jahren der konservativen Regierung drastisch gewandelt. Das zeigt vor allem die Infrastruktur; die Straßen sind unvergleichlich besser geworden, und wo früher vielfach nur Löcher waren gibt es jetzt eine Asphaltdecke. Hinzu kommt die massive Modernisierung etwa des Bankensektors angeführt durch den Einstieg von Raiffeisen. So gab es in Albanien vor fünf Jahren keine 20 Bankomaten, derzeit sind es mehr als 800 (zum Vergleich: in Österreich sind es bei mehr als doppelter Einwohnerzahl mehr als 3.300).

Berisha wirbt denn im Wahlkampf auch mit dem Motto: „Albanien wandelt sich.“ Wie bei der Lottowerbung in Österreich wird der Vorher-Nachher-Effekt auf Spots und Plakaten gezeigt. Kräftig erhöht hat die Regierung im Wahljahr gegen den Rat der Wirtschaftsexperten auch die Staatsausgaben. Lehrer, Ärzte und Krankenschwestern Ärzte verdienen nun zwischen 60.000 und 80.000 Leke, umgerechnet zwischen 550 und 750 Euro im Monat. Zu Berishas Erfolgsbilanz zählt auch die Aufnahme Albaniens in die NATO im Frühling dieses Jahres. „Heute NATO – Morgen EU“ plakatiert Berishas Demokratische Partei landauf – landab und verspricht den Albanern visafreies Reisen in die EU binnen Jahresfrist. Dass Albanien - im Gegensatz zu Serbien, Montenegro und Mazedonien – bis Jahresende nicht mit einer Visabefreiung durch die EU rechnen kann, wird von der Opposition im Wahlkampf weidlich ausgeschlachtet. Sie wirft Berisha auch vor, ein System des Nepotismus errichtet zu haben, in dem Berishas Familie und nahe Angehörige und Freunde einiger Minister zu den wahren Führern der Organisierten Kriminalität in Albanien geworden seien. „Eine neue Politik für den Wandel“ lautet daher das Wahlkampfmotto der Sozialdemokraten unter Edi Rama, dem populären Bürgermeister von Tirana.

Nach Umfragen liegen Ramas und Berishas Wahlbündnisse in der Gunst der mehr als drei Millionen Wahlberechtigten in etwa gleich auf. Keiner der beiden dürfte jedoch die absolute Mehrheit im Parlament erreichen, das 140 Sitze zählt. Bei der Regierungsbildung könnte Rama die besseren Karten haben; denn das Linksbündnis unter Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Ilyr Meta sollte ebenfalls den Einzug ins Parlament schaffen, während eine zweite konservative Wahlallianz nur wenig Chancen hat, die Drei-, bzw. Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen, die für Parteien und Koalitionen gilt. Insgesamt treten mehr als 30 Parteien an, die in diesen vier Koalitionen zusammengeschlossen sind. Gegen Berisha spricht auch der der „Helmut-Kohl-Effekt“. Seit fast 20 Jahren prägt der 64-jährige Berisha die Politik Albaniens mit, und am 28. Juni wird zum ersten Mal eine Generation wählen, die geboren wurde als Berishas Karriere begann. Diese Berisha-Müdigkeit versucht auch die Partei G99 auszunutzen; sie ist einer von Ramas Koalitionspartnern und wird von jungen albanischen Politikern geführt, die vielfach im Ausland aufgewachsen sind.

G99 fordert eine umfassende Demokratisierung, Sie hat sich in den vergangenen vier Jahren weder in Albanien noch in Tirana rasend beschleunigt, obwohl Rama um 20 Jahre jünger ist als Berisha. Zwar gelang eine umfassende Reform des Wahlrechts, doch im Wahlkampf gibt es praktisch keine unabhängigen Medien. Die Parteinahme für Berisha oder für Rama ist klar erkennbar; die TV-Sender strahlen die Bilder aus, die von den Parteien bei Kundgebungen mit großer Professionalität mit eigenen Kamerateams gedreht und selbst geschnitten werden. Berisha, Rama und Meta setzten alle auf amerikanische Wahlkampfberater; die EU setzt dagegen vor allem darauf, dass die Wahlen vielleicht zum ersten Mal demokratischen Standards wirklich entsprechen. Problematisch könnte in diesem Zusammenhang die Ausstellung von Personalausweisen sein. Wählen kann man nur mit diesen Ausweisen oder mit einem Pass. Zwar hat die Regierung wirklich viel versucht, um genügend Ausweise in Umlauf zu bringen; doch die Opposition befürchtet, dass am Wahltag bis zu 200.000 Personen geben könnte, die weder Ausweis noch Pass haben und damit ihr Wahlrecht nicht ausüben werden können.
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