Die Designer von Donezk

Ukraine / Radio / MiJ / 2018-11-14 12:00

Einleitung

Der Krieg in der Ostukraine wir an sich nur mit Tod, Elend, Zerstörung und dem großen Bedarf an humanitärer Hilfe verbunden. All das stimmt, doch gerade die Stadt Donezk ist auch ein Beispiel dafür, in einer abnormalen Situation ein normales Leben zu führen, oder sich trotz aller Schwierigkeiten durch Eigeninitiative zu behaupten. Ein Beispiel dafür sind Modeschöpferinnen und Designer, die in Donezk wieder verstärkt Flagge zeigen und auch bereits am Höhepunkt des Krieges in Italien Preise gewonnen haben; doch auch diese Selbständigen leiden an finanziellen und praktischen Problemen, die ihre Möglichkeiten einschränken. Unser Ukraine-Korrespondent hat Designer in Donezk getroffen; hier sein Bericht:

Detail

Der Krieg in der Ostukraine wir an sich nur mit Tod, Elend, Zerstörung und dem großen Bedarf an humanitärer Hilfe verbunden. All das stimmt, doch gerade die Stadt Donezk ist auch ein Beispiel dafür, in einer abnormalen Situation ein normales Leben zu führen, oder sich trotz aller Schwierigkeiten durch Eigeninitiative zu behaupten. Ein Beispiel dafür sind Modeschöpferinnen und Designer, die in Donezk wieder verstärkt Flagge zeigen und auch bereits am Höhepunkt des Krieges in Italien Preise gewonnen haben; doch auch diese Selbständigen leiden an finanziellen und praktischen Problemen, die ihre Möglichkeiten einschränken. Unser Ukraine-Korrespondent hat Designer in Donezk getroffen; hier sein Bericht:

Ort der Modeschau ist der bekannteste Konsumtempel von Donezk, DonCiti, in dem vor dem Krieg alle internationalen Marken und alles zu finden war, was gut und teuer ist. Nun haben viele Modegeschäfte wieder geöffnet, internationale Marken fehlen aber wegen der Russlandsanktionen und der ukrainischen Blockade. Gezeigt werden bei der Modenschau, Kleider, Hosenanzüge und Hüte, alles Schöpfungen lokaler Designer. Über Donezk hinaus bekannt sind die Arbeiten von Svetlana Topalova, die bereits ausländische Wettbewerbe gewonnen hat. In ihrem Atelier beschäftigt sie acht Mitarbeiterinnen; ihren ersten Wettbewerb in Athen gewann sie im April 2014, zu Beginn der Unruhen in Donezk; die Kollektion für Mailand im Jahre 2015 kam unter sehr schwierigen Umständen zustande, erinnert sich Svetlana Topalova:      

"Genäht haben wir hier, weil unter uns ein Luftschutzkeller ist; wir waren Tag und Nacht hier. Hätten wir nicht genäht, ich weiß nicht, ob wir das alles hätten ertragen können. Der Wettbewerb in Mailand war der Lichtschimmer am Horizont, der uns die Kraft gab, zu arbeiten und zu überleben."

In den vergangenen vier Jahren hat Topalova acht Kollektionen entworfen; Topalova steht auf einer Liste ukrainischer Ultranationalisten, hat keinen biometrischen Pass und kann daher jetzt kaum ins Ausland reisen; wie kommen Kundekontakte zustande? Svetlana Topalova:  

"Zu unseren Kunden zählen Frauen aus Russland sowie aus der ehemaligen Sowjetunion, die in Europa leben. Ich habe einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, habe meine eigene Webseite und bestellen kann man über das Internet."  

Bei der Modeschau gezeigt wurden auch Rücksäcke und Handtaschen aus Leder; sie sind zumeist Einzelstücke; gefertigt werden sie in einer Fabrik, die früher Kühlschränke erzeugte. Verwendet wird vor allem Rindsleder, das leichter zu beschaffen und billiger ist. Geistiger Vater der Modelle ist Igor Karamanez, ein ehemaliger Bauingenieur, der nach dem Zerfall der Sowjetunion aus seinem zeichnerischen Talent eine Tugend machte. Kapitalknappheit sei derzeit das größte Problem, betont Igor Karamanez:  

"Es gibt kein Kapital, um sich entwickeln zu können. Für die Produktion brauche ich ein Lager mit verschiedenen Sorten an Leder oder Kleinteilen, die ich bestellen kann, um eine Auswahl zu haben. Jetzt muss ich mit dem arbeiten, was ich mir leisten kann."

Entwurf und Herstellung der Taschen sei eine kriegsbedingte Rückkehr zu den Wurzeln der Firma, erzählt Igor Karamanez:

"Alles, was wir jetzt mit Hand machen, kann rasch auf maschinelle Produktion umgestellt werden. So haben wir das auch geplant. Denn wir hatten natürlich ganz andere Erwartungen, ehe der Krieg kam. Wir haben damals auch keine Taschen mehr produziert, sondern große Truhen sowie Leinwände aus Leder, die ein Maler verwendet hat. Taschen haben wir zwischen 1996 und 2005 hier in Donezk erzeugt."

In DonCiti gibt es eigens ein Geschäft in dem lokale Designer ihre Waren anbieten können. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, doch der Einfallsreichtum ist ebenso beeindruckend wie der Selbstbehauptungswille dieser Designer.