Überleben an der Frontlinie

Ukraine / Fernsehen / ZiB2 ZiB24 / 2018-06-27 22:00

Einleitung

Mehr als 10.000 Tote und 1,8 Millionen Binnenvertriebene allein auf dem Territorium der Ukraine, das sind nur zwei Zahlen einer Bilanz des Krieges in der Ostukraine, der nun schon mehr als vier Jahre dauert, und ein Ende ist nicht in Sicht. Trotz aller Schrecken hat die Bevölkerung insbesondere der Ostukraine auf beiden Seiten der Frontlinie auch einen oft bewundernswerten Überlebenswillen demonstriert; dabei machen Eigeninitiative und internationale Hilfe vielfach die Schwächen staatlichen Institutionen weg, die sich im Krieg natürlich noch drastischer bemerkbar machen als im Frieden.

Detail

Mehr als 10.000 Tote und 1,8 Millionen Binnenvertriebene allein auf dem Territorium der Ukraine, das sind nur zwei Zahlen einer Bilanz des Krieges in der Ostukraine, der nun schon mehr als vier Jahre dauert, und ein Ende ist nicht in Sicht. Trotz aller Schrecken hat die Bevölkerung insbesondere der Ostukraine auf beiden Seiten der Frontlinie auch einen oft bewundernswerten Überlebenswillen demonstriert; dabei machen Eigeninitiative und internationale Hilfe vielfach die Schwächen staatlichen Institutionen weg, die sich im Krieg natürlich noch drastischer bemerkbar machen als im Frieden.

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ostukraine

Insert1: Lusija, Bewohnerin von Novagrihorivka

Insert2: Valentina, Bewohnerin von Novagrihorivka

Insert3, Nebenerwerbsbauer in Novagrihorivka

Insert4; Lena, Großmutter

Gesamtlänge: 2’18

Das Dorf Novagrihorivka liegt nur etwa einen Kilometer von der Frontlinie entfernt auf ukrainischer Seite. Die Hauptstraße ist für Zivilisten gesperrt; erreichbar ist das Dorf nur über einen Umweg. Der letzte Kilometer ist eine erdige Straße; im Sommer ist das kein Problem, nach starkem Regen und im Winter aber schon. Stolz sind die Bewohnerinnen auf die Behelfsbrücke die ihre Männer gebaut haben. Und wie sieht es sonst mit der Infrastruktur aus?

„Hier bei uns gibt es weder ein Geschäft, noch eine Apotheke oder Arbeit. Wir haben einen Postler, der aber nur halbtags arbeitet.“

Der Postler bringt vor allem die Pensionen. Und wie wirkt sich der Krieg auf euer Leben aus?

„Bis zum Krieg hatten wir Arbeit; ich habe auf dem Markt mein Gemüse verkauft; wir waren eigenständig. 15 Hektar habe ich mit meinem Mann bestellt. Doch mein Land blieb auf der anderen Seite der Front.“

Trotzdem lebt das Dorf von der Landwirtschaft. Jedes Haus hat seinen Garten und seine Felder; sogar eine künstliche Bewässerung haben die Männer selbst gebaut. Die Truthähne hat eine der internationalen Hilfsorganisationen gebracht hat, die auch mit Baumaterialen geholfen haben, um die Kriegsschäden zu beseitigen. Verkauft wird aber nur die Milch:

 

„Der Verkauf von Gemüse rechnet sich nicht; das Benzin ist sehr teuer und wir müssten weit fahren. Hin und zurück kostet das Benzin bereits mehr als wir einnehmen würden.“

68 Einwohner zählt das Dorf; die jüngste Bewohnerin ist zweieinhalb Jahre. Alenka wurde im Februar 2016 in einer Zeit starken Artilleriebeschusses geboren. Jetzt haben die Gefechte nachgelassen, aber:

„Ruhe gibt es nicht; am Tag ja, doch in der Nacht hört man, dass geschossen wird; und die Mama weint und die Enkelin auch.“

Der Selbstbehauptungswille der Dorfgemeinschaft ist bewundernswert. Sogar ein kleines Kulturhaus haben die Bewohner gebaut, als Treffpunkt für den Abend. Doch wenn der Krieg noch lange dauert, werden auch aus diesem Ort die wenigen Jungen irgendwann abwandern.