Kriegsgebiete von ukrainischem Handy völlig abgeschnitten

Ukraine / Radio / FJ7 / 2018-01-15 07:00

Einleitung

Die Kriegsgebiete in der Ostukraine sind derzeit völlig von ukrainischen Mobilfunk-Anbietern abgeschnitten. Seit vier Tagen funktioniert auch der letzte Anbieter MTS-Vodafone nicht mehr; betroffen sind allein im Raum Donezk mehr als eine Millionen Menschen. Grund für den Zusammenbruch ist die Beschädigung eines Kabels in Frontnähe auf ukrainischer Seite der Waffenstillstandslinie; betroffen von dem Ausfall des Mobilfunkanbieters sind auch die Beobachter der OSZE-Mission, die eigentlich den Waffenstillstand überwachen sollen, der über die Feiertag jedenfalls weniger oft verletzt wurde als in den Monaten davor; aus Donezk berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz

Detail

Die Kriegsgebiete in der Ostukraine sind derzeit völlig von ukrainischen Mobilfunk-Anbietern abgeschnitten. Seit vier Tagen funktioniert auch der letzte Anbieter MTS-Vodafone nicht mehr; betroffen sind allein im Raum Donezk mehr als eine Millionen Menschen. Grund für den Zusammenbruch ist die Beschädigung eines Kabels in Frontnähe auf ukrainischer Seite der Waffenstillstandslinie; betroffen von dem Ausfall des Mobilfunkanbieters sind auch die Beobachter der OSZE-Mission, die eigentlich den Waffenstillstand überwachen sollen, der über die Feiertag jedenfalls weniger oft verletzt wurde als in den Monaten davor; aus Donezk berichtet unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz

Zu den Feiertagen wird auch in der Ostukraine verstärkt mit Angehörigen diesseits und jenseits der Frontlinie kommuniziert; seit 11. Jänner sind aber auch die Leitungen des letzten ukrainischen Anbieters tot; in Donezk führte das zu einem Sturm auf SIM-Karten des lokalen Anbieters Phönix, mit dem aber nur in den Rebellengebieten telefoniert werden kann. 700.000 der geschätzten 2,5 Millionen Bewohner des Rebellengebietes von und um Donezk sollen derzeit Phönix nutzen; doch Phönix ist derzeit kein Ersatz für den ukrainischen Anbieter MTS-Vodafone, und zwar nicht nur wegen der Kommunikation mit der Ukraine, betont in Donezk der sogenannte Telekommunikationsminister der prorussischen Kräfte, Viktor Jazenko: "Das Problem betrifft SMS und das Roaming mit russischen Mobilfunkanbietern. Unsere Bürger können bereits Konten bei russischen Banken eröffnen; ihre Kunden werden über SMS informiert; hinzu kommt das Roaming, das sehr wichtig ist, weil wir als Staat nicht anerkannt sind und daher keine Roaming-Vereinbarungen abschließen können. Nach unseren Informationen hat Vodafone auf unserem Territorium mehr als eine Million Nutzer. Wenn wir die alle übernehmen müssten, steht unser Netz am Rande des Zusammenbruchs."Nicht betroffen sei das Internet, das nicht mehr über Kiew, angeboten werde, betont Viktor Jazenko: "Wir verwenden bereits nur mehr russische Internet-Anbieter. Wären wir auch noch vom ukrainischen Internet abgeschnitten, dann gäbe es ein komplettes Blackout bei der Kommunikation."Beim lokalen Mobilfunkanbieter ist das 3G-Netz derzeit in der Testphase; möglich ist, dass der Ausfall von Vodafone-MTS die Entwicklung der lokalen Anbieter beschleunigt; denn unklar ist, ob und wie rasch das beschädigte Kabel repariert werden kann. Vodafone in Kiew war zu keiner Stellungnahme bereit. auch nicht zur Tarifpolitik. So hat Vodafone-MTS zum Jahreswechsel und noch vor der Beschädigung des Kabels die Basistarife erhöht; ob nur für die Rebellengebiete ließ sich am Wochenende nicht feststellen. Die Bewohner von Donezk und Lugansk zahlen nun statt einen Euro knapp drei Euro pro Monat; für österreichische Verhältnisse eine lächerlich geringe Summe, für die verarmte Bevölkerung aber ein Problem.