Oberösterreicher in der Karpato-Ukraine

Ukraine / Fernsehen / Oberösterreich / 2017-09-08 19:00

Einleitung

Unter Maria Theresia und gefördert von den Grafen Schönborn siedelten sich Oberösterreicher auch in der sogenannten Karpato-Ukraine an, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zu Österreich gehörte. Heute ist das Gebiet der westlichste Zipfel im Grenzgebiet zu Ungarn der Slowakei und Rumänien. Trotz eine wechselvollen und tragischen Geschichte leben dort noch heute deutsche Altösterreicher, die ihre oberösterreichischen Wurzeln nicht vergessen haben und auch noch einen uns Oberösterreichern vertrauten Dialekt Eine Spurensuche von Christian Wehrschütz:

Detail

Unter Maria Theresia und gefördert von den Grafen Schönborn siedelten sich Oberösterreicher auch in der sogenannten Karpato-Ukraine an, die bis zum Ende des Ersten Weltkrieges zu Österreich gehörte. Heute ist das Gebiet der westlichste Zipfel im Grenzgebiet zu Ungarn der Slowakei und Rumänien. Trotz eine wechselvollen und tragischen Geschichte leben dort noch heute deutsche Altösterreicher, die ihre oberösterreichischen Wurzeln nicht vergessen haben und auch noch einen uns Oberösterreichern vertrauten Dialekt Eine Spurensuche von Christian Wehrschütz:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus der Ukraine

Kamera/Schnitt: Wasilij Rud

Insert1 – 4: Magdalena und Imre Horbas in Königsfeld/Ust Tschorna

Insert5: Oleg Efremow, Holzschnitzer in Königsfeld/Ust Tschorna

Insert6: Bogdan Kosjuk, Deutschlehrer in Königsfeld/Ust Tschorna

Insert7: Sabrina Luimpöck, Russisch-Studentin aus Linz

Insert8: Georg Klambauer, Russisch-Student aus St. Oswald

Gesamtlänge: 4‘08

Königsfeld, ukrainisch Ust Tschorna, liegt 50 Kilometer nördlich der rumänischen Grenze im Theresiental in den waldreichen Gebieten der Karpato-Ukraine. Forstwirtschaft prägt das Dorf mit seinen etwa 1500 Bewohnern, in dem auch noch einige Familien deutscher Altösterreicher leben. Einer von ihnen ist der 63-jährige Imre Horbas; die Vorfahren des früheren Automechanikers kamen als Schiede und Holzarbeiter nach Königsfeld. Imre und seine jüngere Schwester Magdalena haben sich ihren deutschen Dialekt bewahrt, der über Generationen vererbt wurde:

"Unseren Dialekt haben wir von unseren Eltern gelernt; und schriftlich gelernt haben wir es in der Schule. In der Sowjetunion war bei uns Fremdsprache Deutsch in der Schule. Wir Ukrainisch, Russisch und Deutsch gesprochen."

Können Kinder und Enkel noch den Dialekt?

"No warum? Die Kinder wollen weder so noch so reden aber sie verstehen. Meine Tochter versteht ab sie red, wie wir sagen hojdali wojdali.

Holz ist der zentrale Wirtschaftsfaktor der Region; die meisten anderen Betriebe aus sowjetischer Zeit überlebten den Zerfall der Sowjetunion nicht, mit dem auch eine massive Auswanderung der deutsche Altösterreicher einsetzte:

"Wir sind aufgewachsen, a waren 80 Prozent deutsche Leute - es überall deutsch - scheite leute"

Auch eine der beiden Töchtern Magdalenas hat nach Österreich geheiratet; Skype wird auch hier zur regelmäßigen Kommunikation über die Grenzen hinweg genutzt. Und wie ist die wirtschaftliche Lage jetzt in Königsfeld?  

"Es geht schon etwas besser, hoffentlich wird es weiter besser gehen; ich möchte in der Ukraine leben aber ich möchte auch gut leben.

Der kleine Garten hinter dem Haus bessert das tägliche Leben auf, vor allem im Sommer und Herbst, wirkliche Nebenerwerbsbauern gibt es hier nicht. Ein Marktnische gefunden hat dieser Mann, der seit 17 Jahren Krippenfiguren schnitzt. Pro Figur bekommt er zwischen 20 und 30 Euro:

Von mir kaufen Österreicher; in Ebensee habe ich einen Dauerkunden. Er schickt mir die Bestellungen als Fotos per Email und ich schicke die Figuren dann nach Österreich."

Dass die soziale Lage der Gemeinde schwierig ist, zeigt die Schule. Deutsch ist erste Fremdsprache, doch ohne Hilfe vor allem aus Oberösterreich würden bessere Lehrbehelfe völlige Mangelware sein.

"Viel aus Österreich; die helfen uns sehr viel. Diese Lehrbücher sind alle aus Österreich. Ich habe Bekannte dort, die suchen Bücher, bringen sie, oder schicken sie mit LkW."

Alpiner Tourismus zählt zu den Hoffnungsträgern, sollten die Straßen endlich erneuert sein, die die Anreise massiv erschweren. Zwar gibt es ein Wirtshaus, ein Geschäft und kleinere Hotels, und sogar eine Bäckerei, die ebenfalls einem Altösterreicher gehört, doch für den Fremdenverkehr bleibt noch viel zu tun. Zu den Gästen zählte eine Gruppe österreichisch-deutscher-ukrainischer Studenten, die zu einer Sprachwanderung die Karpaten besuchten; das Zusammentreffen mit den Landsleuten berührte auch sie:

"Wir hatte heute ein sehr spannendes Gespräch mit einer älteren Frau aus diesem Dorf, die sich sehr gefreut hat, dass sie mit uns wirklich ihren Dialekt sprechen konnte, der sehr sehr nah am Oberösterreichischen dran ist, gerade bei den Lebensmittelbezeichnungen;

"Es hat mir getaugt, dass der mi so versteht, wie ich rede, und ich ihn genauso verstehe; beeindruckend, wie sich das hier erhalte hat. Ich wünschte mir, dass hier Programme entstehen, dass das hier weiter gefördert wird."

Fraglich ist, wie lange dieser Dialekt in der Karpato-Ukraine noch zu hören sein wird, selbst wenn sich die wirtschaftliche Lage deutlich verbessern sollte. Der Aderlass war wohl einfach zu groß, den die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts auch hier verursacht haben.