Franz Xaver Mozart in Lemberg

Ukraine / Radio / Radio Salzburg / 2017-08-04 12:00

Einleitung

Kinder prominenter Eltern fällt es im Leben oft schwer aus deren Schatten herauszutreten; noch schwerer hatte es vielleicht sogar der der Halbwaise Franz Xaver Mozart, der jüngste Sohn von Wolfgang Amadeus Mozart, der vier Monate vor dem Tod des musikalischen Genies geboren wurde. Seine Mutter wollte ihn zu einem zweiten Mozart machen, die Kritiker maßen schon den Jüngling an seinem Vater, ein Druck, dem sich Franz Xaver mit 17 Jahren

Detail

Kinder prominenter Eltern fällt es im Leben oft schwer aus deren Schatten herauszutreten; noch schwerer hatte es vielleicht sogar der der Halbwaise Franz Xaver Mozart, der jüngste Sohn von Wolfgang Amadeus Mozart, der vier Monate vor dem Tod des musikalischen Genies geboren wurde. Seine Mutter wollte ihn zu einem zweiten Mozart machen, die Kritiker maßen schon den Jüngling an seinem Vater, ein Druck, dem sich Franz Xaver mit 17 Jahren durch seine Übersiedelung nach Galizien und Lemberg entzog. Dort wirkte er viele Jahre geriet aber in sowjetischer Zeit in Vergessenheit. Jetzt entdeckt ihn die westukrainische Stadt Lemberg, ukrainisch Lviv, wieder und Franz Xaver Mozart war heuer sogar der Ausgangspunkt für ein neues Festival klassischer Musik LvivMozArt; eine Spurensuche von Christian Wehrschütz:

Franz Xaver Mozart lebte 25 Jahre in Lemberg, das insgesamt 140 Jahre zu Österreich gehörte. Mozarts Sohn war sehr wichtig für das Musikleben der Stadt; ihn nicht nur für die Ukraine wiederzuentdecken ist das Ziel der Dirigentin Oksana Lyniv; daher begann ihr Festival LvivMozArt auch mit zwei Werken von Franz Xaver Mozart; sein Schicksal berührt Oksana Lyniv nicht nur als Künstlerin:

"Dass er hier in Lemberg, in unserer Stadt, in dieser wunderschönen historischen Gegend, fast 30 Jahre gewirkt, komponiert und gespielt hat, und so wirklich voll vergessen wurde, das tut mir irgendwie so leid, und es ist für mich ganz spannend, jetzt für ihn eine Art Renaissance zu machen."

Im Palais Potocky in Lemberg ist Franz Xaver Mozart derzeit eine Ausstellung gewidmet; hier nahm der 17-jährige 1808 an einem Empfang teil, als Zwischenstation zu einem Grafen als Musiklehrer in der galizischen Provinz. 1813 kam Franz Xaver dann nach Lemberg. Er unterrichtete nicht nur die Töchter von Josephine Baroni-Cavalcabo, seinem Lebensmenschen, sondern komponierte weiter, veranstaltete Konzerte und entwickelte das Musikleben; dazu sagt in Lemberg Armin Brinzing von der Internationalen Stiftung Mozarteum:

"In seinen Briefen, zum Beispiel an die Mutter, schreibt er immer wieder, dass er sich erhofft, durch seine Aktivitäten hier in Lemberg, vor allem durch die Gründung des Cäcilien-Vereins, also eines Musikvereins, der vor allem große Chorwerke aufgeführt hat, sich einen Namen zu machen, und dann dereinst einmal eine interessante Anstellung in Wien zu bekommen."

Doch diese Hoffnungen erfüllten sich nicht. Armin Brinzing ist auf Spurensuche in Lemberg. Zu erforschen bleibt, was es an Quellen zu Mozart noch zu finden gibt; viele Dokumente sind noch nicht aufgearbeitet; der Großteil seines Nachlasses ist aber in Salzburg. Den bedeutende Einfluss von Franz Xaver auf die musikalische Entwicklung der Stadt schildert die ukrainische Musikhistorikerin Ljuba Kijanovska:

"Erstens diese Gesellschaft Cäcilien-Verein war sozusagen der Urvater unserer Musikausbildung - Gesanginstitut; und nicht zufällig die Reihe unserer Rektoren in unserer Musikakademie beginnt mit Franz Xaver Mozart., weil Gesangisntitut war ein Vorläufer des späteren Konservatoriums."

Seine Wiederentdeckung durch das Festival soll auch der Forschung Auftrieb geben.