Putins Kontaktmann in Kiew

Ukraine / Fernsehen / ZiB2 / 2017-05-06 22:00

Einleitung

Seit drei Jahren herrscht nun bereits Krieg in der Ostukraine und ein Frieden ist weiter nicht in Sicht. Während entlang der Frontlinie ein Stellungskrieg tobt, herrscht politischer Stillstand bei den Friedensverhandlungen in Minsk. Erfolge gibt es bei humanitären Fragen, vor allem beim Austausch von Gefangenen; dabei spielt der Ukrainer Viktor Medwedschuk eine wichtige Rolle im Hintergrund; er hat ganz besondere, familiäre Beziehungen zu Wladmir Putin

Detail

Seit drei Jahren herrscht nun bereits Krieg in der Ostukraine und ein Frieden ist weiter nicht in Sicht. Während entlang der Frontlinie ein Stellungskrieg tobt, herrscht politischer Stillstand bei den Friedensverhandlungen in Minsk. Erfolge gibt es bei humanitären Fragen, vor allem beim Austausch von Gefangenen; dabei spielt der Ukrainer Viktor Medwedschuk eine wichtige Rolle im Hintergrund; er hat ganz besondere, familiäre Beziehungen zu Wladmir Putin. Der russische Präsident ist Taufpate von Mewedschuks Tochter; diesen Kanal nutzt Kiew politisch immer wieder, obwohl Viktor Medwedschuk für viele Ukrainer ein prorussisches Feindbild verkörpert und seine Vorstellungen eine Friedenslösung in Kiew jedenfalls derzeit nicht mehrheitsfähig sind. Mit Viktor Medwedschuk hat unser Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz das folgende Interview geführt:

Die Freilassung der Kampfpilotin Nadja Sawtschenko vor einem Jahr wurde in Kiew groß gefeiert. Die Pilotin hatten prorussische Rebellen gefangenen genommen und an Russland ausgeliefert. Eine wichtige Rolle bei der Freilassung spielte Viktor Medwedschuk, der seit Mai 2014 immer wieder auch mit den Rebellen verhandelt. Für den Stillstand im Friedensprozess macht er vor allem Kiew verantwortlich:

"Kiew hat nicht die Kraft, die politischen Teile des Friedensplans von Minsk umzusetzen. Der ukrainische Präsident ist dafür, doch die Mehrheit im Parlament ist dagegen. Das betrifft den Sonderstatus des Donbass, das Gesetz über die Amnestie aber auch das Gesetz über die Lokalwahlen im Donbass. Und das bremst die Umsetzung des Friedensplans. Wenn sich daran nichts ändern, wird das Ergebnis ein eingefrorener Konflikt sein."

Ein weiteres Hindernis sei das Streben Kiews nach einer Mitgliedschaft in der NATO:

"Wenn die Ukraine heute sagt, dass sie NATO-Mitglied werden will, wie soll es dann eine Friedenslösung für den Donbass geben, wo die Menschen kategorisch gegen die NATO sind. Auch Russland ist an einem blockfreien Status der Ukraine interessiert, denn wir haben eine gemeinsame Grenze von 3.600 Kilometern. Die Mehrheit der Ukrainer ist ebenfalls nicht für einen Beitritt, dass zeigen alle Umfragen. Was die EU betrifft, so ist Russland nicht gegen einen Beitritt der Ukraine; doch Russland weiß gut, dass der Beitritt niemals kommen wird, denn in diesem Sinne sprechen auch die Führer der EU."

Und wie oft treffen Sie den russischen Präsidenten?

"Wenn ich mit meiner Familie in Russland bin, treffe ich Präsident Putin, allerdings nicht nur dort; diese Treffen werden vor allem von den Interessen der Ukraine diktiert, und dieser Kanal kann im Interesse des Landes genutzt werden. Natürlich sieht Putin auch sein Patenkind; er ist ein guter Taufpate und gratuliert ihr auch jedes Jahr zum Geburtstag am 20. Mai."

Medwedschuk hält eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Kiew und Moskau für nötig, doch eine derartige Entwicklung ist wohl bestenfalls langfristig möglich.