Slowenien als Mitglied der EU

Slowenien / Fernsehen / Mittag in Österreich / 2018-09-25 13:00

Einleitung

Slowenien war das erste Land des ehemaligen Jugoslawien, das 2004 der EU und der NATO beitreten konnte. Das zwei Millionen Einwohner zählende Land hatte dafür auch die besten Voraussetzungen – es war schon in kommunistischer Zeit die am besten entwickelte Teilrepublik und auch der Unabhängigkeitskrieg 1991 dauerte nur zehn Tage und forderte nur wenige Opfer und Zerstörungen. Trotzdem war der Weg zu einer modernen Marktwirtschaft kein einfacher und auch viele Krisen erschütterten das Land, dazu zählten die massive Finanzkrise der slowenischen katholischen

Detail

Slowenien war das erste Land des ehemaligen Jugoslawien, das 2004 der EU und der NATO beitreten konnte. Das zwei Millionen Einwohner zählende Land hatte dafür auch die besten Voraussetzungen – es war schon in kommunistischer Zeit die am besten entwickelte Teilrepublik und auch der Unabhängigkeitskrieg 1991 dauerte nur zehn Tage und forderte nur wenige Opfer und Zerstörungen. Trotzdem war der Weg zu einer modernen Marktwirtschaft kein einfacher und auch viele Krisen erschütterten das Land, dazu zählten die massive Finanzkrise der slowenischen katholischen Kirche ebenso wie die Bankenkrise nach 2008 im Zuge der Eurokrise der EU; sie hätte Slowenien fast unter den sogenannten EU-Rettungsschirm geführt, doch schließlich konnte die Regierung diese Krise selbst meistern. Probleme hat Slowenien weiter mit der starken Abwanderung von Arbeitskräften ins Ausland sowie mit seiner politischen Instabilität, die Slowenien nun die erste Minderheitsregierung seiner Geschichte beschert hat  

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Slowenien

Insert1: Bogdan Capuder, Direktor des Hotels Garden Village in Bled

Insert2: Peter Halleger, Gärtner im Hotel Garden Village in Bled

Insert3: Edi Kraus, Generaldirektor Firma Aquafil

Insert4: Edi Kraus, Generaldirektor Firma Aquafil

Insert5 Miha Kovac, Slowenischer Politologe

Gesamtlänge: 4’43

Slowenien ist ein kleines aber vielfältiges Land, das von einem kleinen Zugang zur Adria über sportliche Aktivitäten bis hin zur reinen Erholung viel zu bieten hat. Dieser Umstand sowie die gute Vermarktung schlagen sich in stark steigenden Tourismuszahlen nieder. Im Vorjahr zählte Slowenien fast fünf Millionen Touristen mit mehr als 12 Millionen Nächtigungen, wobei der Anteil der Ausländer an den Gästen stark zunimmt und Österreich nach Italien und Deutschland den dritten Platz belegt. Neben klassischen Formen gibt es auch innovative Angebote wie dieses erste „Clamping-Hotel“ in Bled. Dieser Begriff steht für den neuen Trend zu Urlaub in luxuriösen, kreativen, außergewöhnlichen oder optisch höchst ansprechenden Unterkünften in der freien Natur. Die sechs Baumhäuser bieten jeweils fünf Personen Platz, eine Übernachtung kostet pro Haus in der Hochsaison 380 Euro.

„Das ist eine einzigartige Sache, weil wir das auch leben, was wir anbieten. Wir bauen unsere Kräuter selbst an und lehren unsere Gäste, dass sie selbst ihr Gemüse und ihre Kräuter für ihren Bedarf auswählen können, die wir für unsere Küche verwenden und zum Frühstück, zum Mittag- und Abendessen anbieten.“

In der Anlage gibt es ein eigenes Glashaus – ein grünes Konzept zum Anfassen, dass von Gästen aus den USA und Kindern besonders angenommen wird.

„Wenn ich hier arbeite, dann kommen die Kinder herein und fragen, was machst Du denn hier. Dann jäten wir ein bisschen, dann kann ich sehr gut zeigen, das ist ein Salat, das ist eine Karotte, das ist Unkraut, das gehört nicht hierher. .....Wir haben sehr viele Gäste auch aus Amerika, aus den großen Städten, wo die Kinder das noch gar nicht so erfahren haben.“

Doch Slowenien hat auch eine starke Industrie; 85 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung werden durch Exporte erwirtschaftet. Ein Beispiel dafür ist diese Firma, die Nylonfäden produziert, wobei der Rohstoff massiv aus der Wiederverwertung von Altstoffen gewonnen wird. Die Firma gehört einem italienischen Investor, ist seit mehr als 20 Jahren in Slowenien und beschäftigt etwa 1.200 Mitarbeiter:

„In Slowenien kostet ein Mitarbeiter in vergleichbarer Position zu einem Mitarbeiter in Italien etwa 40 Prozent weniger; im Vergleich zwischen Slowenien und Kroatien kostet ein kroatischer Mitarbeiter noch um weiter 20 Prozent weniger.“

Wegen der Lohnschere wandern viele Slowenen vor allem ins EU-Ausland ab:

„Wir spüren das sehr stark, vor allem seit dem Vorjahr. Wir bekommen sehr schwer Mitarbeiter jetzt in Slowenien. Es fehlt an Arbeitskräften. Berücksichtigt man noch den Rückgang der Geburtenrate, dann braucht es eine wirklich offenen und langfristige Politik, um dieses Problem zu lösen.“

Weniger Glück als mit seiner Wirtschaft hat Slowenien mit seiner Politik. Bei der Parlamentswahl im Juni wurde die nationalkonservative Partei von Janez Jansa klar stärkste Kraft; mit Jansa wollte aber die Mehrheit der anderen Parteien nicht koalieren. Daher machte Marian Sarec, bisher dato Bürgermeister der Stadt Kamnik das Rennen. Sarec bildete eine Fünf-Parteien-Koalition, die im Parlament aber noch auf die Duldung der Partei „Die Linke“ angewiesen ist. Das Regierungsprogramm ist sehr unklar formuliert; „Die Linke“ fordert eine Erhöhung des Mindestlohns auf 700 Euro; auch die Beamten wollen mehr Geld, obwohl die Staatsverschuldung mit etwa 70 Prozent zu den Schwachpunkten Sloweniens zählt:

„Das größte Problem, das Marijan Sarec erwartet, sind die Verhandlungen mit den Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes. Diese Verhandlungen wurden unterbrochen durch das Ende des Mandats der vorherigen Regierung, die dabei unter starkem Druck stand, die Budgetausgaben sehr stark zu erhöhen. Hier könnte sich die mangelnde Erfahrung der jetzigen, neuen Regierung zeigen. Meiner Ansicht nach, fährt Marijan Sarec den politischen Slalom bisher besser als ich und viele andere erwartet haben. Die große Frage ist, wie das in sechs Monaten ausschaut.“

Auch der Grenzstreit mit Kroatien um die Bucht von Piran zählt zu den Herausforderungen für die neue Regierung. Der Streit tobt seit mehr als 25 Jahren und wirkt sich negativ auf die anderen Staaten des ehemaligen Jugoslawien aus, die noch der EU beitreten wollen. Denn Brüssel ist nicht bereit neue Mitglieder mit ungelösten bilateralen Problemen aufzunehmen, wenn sich nicht einmal Mitglieder wie Slowenien und Kroatien auf einen Kompromiss einigen können.