Die Russen in Serbien und ihr Einfluss

Serbien / Fernsehen / ZiB24 / 2019-01-17 23:00

Einleitung

In Serbien wachsen seit einigen Jahren nicht nur spürbar die Sympathien für Russland. Seinem Präsidenten Vladimir Putin bereitete heute die serbische Führung in Belgrad einen ganz besonders herzlichen Empfang. Auch die Einwanderung der Russen nach Serbien hat deutlich zugenommen. Ihre Zahl wird auf etwa 10.000 geschätzt; genaue Angaben fehlen, weil Russen für Serbien kein Visum brauchen

Detail

In Serbien wachsen seit einigen Jahren nicht nur spürbar die Sympathien für Russland. Seinem Präsidenten Vladimir Putin bereitete heute die serbische Führung in Belgrad einen ganz besonders herzlichen Empfang. Auch die Einwanderung der Russen nach Serbien hat deutlich zugenommen. Ihre Zahl wird auf etwa 10.000 geschätzt; genaue Angaben fehlen, weil Russen für Serbien kein Visum brauchen. Zu den Einwanderern zählen Pensionisten, aber auch Familien mit Kindern siedeln sich in Serbien an. Geschätzt werden die Kleinheit der Städte und die größere Sicherheit für Kinder. Bereits nach dem Zerfall der Sowjetunion haben auch viele Russinnen nach Serbien geheiratet. Neben Belgrad ist vor allem Novi Sad ein Zentrum der Russen in Serbien:

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Serbien


Marina Galogaza, Vorsitzende der russischen Volksgruppe in Serbien

Marina Galogaza, Vorsitzende der russischen Volksgruppe in Serbien

Gesamtlänge: 2’10

Kulturell ist die russische Gemeinschaft in Serbien besonders aktiv. Zum Jahreswechsel spielten Laienschauspieler im Russischen Kulturzentrum in Belgrad eine Art Märchen, mit einer bösen schwarzen Königin, die natürlich am Ende verliert. Diese Rolle spielte Marina Galogaza, die treibende Kraft der russischen Gemeinschaft in Serbien. Marina heiratete 1992 einen Serben und lebt seit mehr als 20 Jahren in Novi Sad. Diese Stadt in der Provinz Vojvodina ist bei den Russen am beliebtesten:

„Novi Sad ist klein und sicher, angenehm zum Leben, die Luft ist gut, die Infrastruktur auch, von der Musikschule bis zum Schwimmbad. Hier ist es nicht nur billiger, sondern warm; viele Pensionisten kommen aus Sibirien und dem Norden Russlands, weniger aus Moskau.“

Die Treffen finden in der Zentrale des russischen Konzerns Gazprom statt. Er dominiert die Energieversorgung in Serbien und wirbt mit einem vielsagenden Plakat nicht nur in Novi Sad: „Partnerschaft für die Zukunft“, lautet das Motto, das sich auch in den Schulen niederschlägt. Die Nachfrage nach Russisch-Unterricht nimmt merkbar zu, und ist nicht nur auf größere Städte beschränkt. Die Popularität Russlands und Putins wird auch durch serbische Medien massiv gefördert, die Russland als Schutzmacht präsentieren. Diese Popularität nutzte der serbische Präsident Alexander Vucic heute zu einer Heerschau; er sonnte sich in Belgrad im Glanze Putins, eine klare Antwort an die jüngsten Demonstrationen der Opposition. Die besondere Bedeutung des Putin-Besuch betont auch die russische Gemeinschaft in Serbien:

„Serbien ist in einer sehr schwierigen Lage wegen des Kosovo und wegen der großen Auswanderung aus Serbien. Russische Investitionen können neue Hoffnung bringen, dass man auch in Serbien normal leben kann.“

Doch als Investor und Arbeitgeber spielt Russland derzeit in Serbien nur eine geringe Rolle. Mehr als 70 Prozent der serbischen Exporte gehen in die EU, und die serbischen Exporte nach Bosnien und Herzegowina sind höher als nach Russland.