Nachlese Vucic und sein Wahlkampfmanager

Serbien / Radio / MiJ / 2017-04-03 12:00

Einleitung

In Serbien ist gestern Alexander Vucic bereits im ersten Durchgang zum neuen Präsidenten Serbiens gewählt worden. Abgesehen von seinem enormen persönlichen Einsatz, seiner Popularität und seinem großen Einfluss auf die Medien und der Schwäche seiner Gegner verdankt Vucic seinen Sieg auch seinem professionellen Wahlkampf, bei dem versucht wurde nichts dem Zufall zu überlassen. Federführend bei der Kampagne

Detail

In Serbien ist gestern Alexander Vucic bereits im ersten Durchgang zum neuen Präsidenten Serbiens gewählt worden. Abgesehen von seinem enormen persönlichen Einsatz, seiner Popularität und seinem großen Einfluss auf die Medien und der Schwäche seiner Gegner verdankt Vucic seinen Sieg auch seinem professionellen Wahlkampf, bei dem versucht wurde nichts dem Zufall zu überlassen. Federführend bei der Kampagne war der Israeli Aron Shaviv; seine Firma „Strategy&Campaigns“ verfügt nicht nur über jahrelange Erfahrung in Südosteuropa, sondern verhalf etwa auch 2015 in Israel Benjamin Netanjahu zum Sieg. Mit Ariel Shaviv hat unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz in Belgrad über die Vucic-Kampagne und die Arbeit als Wahlkampfberater gesprochen; hier sein Bericht:





Aron Shariv und sein Kernteam aus neun Personen verbrachten die vergangenen drei Monate in Serbien. Die Vorbereitungen für die Wahlkampagne von Alexander Vucic begannen somit Monate vor dem offiziellen Beginn des Wahlkampfes. Auch in Serbien spielen neben klassischer Wahlwerbung wie Plakaten, Flugblättern und Kundgebungen Werbespots eine immer zentralere Rolle, die auch über Facebook und YouTube verbreitet werden. Dabei überlässt Aron Shariv nichts dem Zufall; intensiv wird mit führenden Meinungsforschern zusammengearbeitet. Dazu sagt Aron Shariv in Belgrad:



„Wenn Menschen politische Werbung sehen, schalten sie sofort ab oder um. Das ist die große Herausforderung. Daher sollen alle unsere politischen Spots unterhalten. Während dieser Unterhaltung platzieren wir unsere Botschaften. Die meisten Spots werden in Fokusgruppen geboren, wo Menschen über ihre Probleme und Erwartungen sprechen. Dann werden gewisse Ideen in Umfragen getestet, dann werden Drehbücher geschrieben. Mit etwa 100 Ideen und Drehbüchern kommen wir zurück in Fokusgruppen; davon werden etwa 10 umgesetzt, und selbst dann testen wir die Spots in Fokusgruppen, um sicher zu sein, dass wir die Menschen und ihre Sorgen erreichen.“



In Serbien liegt die Internetpenetration erst bei 50 Prozent; trotzdem werden auch in Serbien soziale Netzwerke im Wahlkampf immer wichtiger betont Aron Shariv:



„Soziale Netzwerke sind eines der wichtigsten Medien, die wir nutzen. Sie erreichen jeden; selbst in Afrika haben es Menschen geschafft, die schlechte Infrastruktur zu überwinden. Die meisten haben Handys. Der Schlüssel zum Erfolg besteht in einem Inhalt, den Wähler sehen wollen. Ist die Botschaft unterhaltsam, dann schicken die Menschen das auch in Afrika einander zu über Viber oder Whatsapp; in Serbien wird dagegen vor allem Facebook genutzt.“



Der 38-jährige Shariv arbeitet grundsätzlich nur mit Parteien und Politikern der rechten Mitte zusammen. Welcher Unterschied besteht zwischen Amtsinhaber und Oppositionspolitiker im Wahlkampf? Aron Shariv:



„Bei einem Amtsinhaber muss man darstellen, was man in den vergangen Jahren erreicht hat. Bei einem Oppositionspolitiker kann man viel kritischer und aggressiver sein. Doch beide Seiten müssen ihren Wählern erklären, wie sie ihr Leben verbessern, wenn sie für den jeweiligen Kandidaten stimmen. Ein Amtsinhaber hat aber auch eine Zukunftsvision zu präsentieren.“



Shariv ist weltweit tätig, von Südosteuropa über Israel, Taiwan, Thailand und Afrika. Besteht trotz aller kulturellen Unterschiede ein gemeinsamer Nenner, der alle Wähler verbindet? Aron Shariv:



„Die grundlegenden Motive eines Wählers sind weltweit dieselben. Man will ein besseres Leben für sich selbst, sein Kinder, manches Mal auch für sein Land. Meine Arbeit besteht darin, das Wesen eines jeden Landes zu verstehen, wobei natürlich der Wunsch nach einem besseren Leben in Serbien etwa anderes bedeutet als im Kongo oder in Taiwan. Daher nutzen wir überall Meinungsumfragen. Ich verwende viel Zeit darauf, um durch Umfragen und Fokusgruppen, das Wesen eines Landes zu verstehen. Es geht auch darum, Bürger zu motivieren, zu wählen und nicht zu Hause zu bleiben. Die Vorbereitungen dauern mindestens drei Monate, doch es kommt auch vor, dass wir uns zwei Jahre auf eine Wahl vorbereiten.“