Wachsender Einfluss Russlands in Serbien

Serbien / Radio / MiJ / 2016-10-27 12:00

Einleitung

Mit 200 Millionen Euro unterstützt die EU jedes Jahr die Modernisierung Serbiens, um das Balkanland reif für einen künftigen EU-Beitritt zu machen. Doch die Masse der Serben hat keine Ahnung von dieser massiven Unterstützung und hält Russland für den wichtigsten Helfer und Beschützer. Nicht zuletzt wegen einer massiven Medien-Kampagne nimmt der Einfluss Russlands ständig zu, während die Zustimmung zur EU – auch wegen deren interner Krisen – langsam aber sicher in Serbien sinkt. As Serbien berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:

Detail

Mit 200 Millionen Euro unterstützt die EU jedes Jahr die Modernisierung Serbiens, um das Balkanland reif für einen künftigen EU-Beitritt zu machen. Doch die Masse der Serben hat keine Ahnung von dieser massiven Unterstützung und hält Russland für den wichtigsten Helfer und Beschützer. Nicht zuletzt wegen einer massiven Medien-Kampagne nimmt der Einfluss Russlands ständig zu, während die Zustimmung zur EU – auch wegen deren interner Krisen – langsam aber sicher in Serbien sinkt. As Serbien berichtet unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz:



Ende Oktober schickte Serbien vom Flughafen in Nis humanitäre Hilfe nach Syrien. Die   Güter transportierte ein Flugzeug der russischen Armee; das sorgte für Verstimmung bei EU und USA, die Russland wegen seiner Syrien-Politik massiv kritisieren. Serbien ist nicht zuletzt wegen seiner Energieabhängigkeit und der Sympathien für Russland in der Bevölkerung, zu einem Lavieren zwischen Moskau und Brüssel gezwungen. In Nis beheimatet ist auch das russisch-serbische Zentrum für Katastrophenschutz, das als Kern einer möglichen Militärbasis gehandelt wird. Zu bemerken ist davon in diesem Zentrum nichts. Gelagert ist hier Ausrüstung für mittlere Katastrophenfälle, die auch im NATO-Mitglied Slowenien zum Einsatz kam. In Serbien ist Russland aber auch bei der Ausbildung von Rettungskräften aktiv; diese Zusammenarbeit erläutert der stellvertretende Direktor des Zentrums, der Russe Wjatscheslaw Vlasenko, so:



„Seit dem Vorjahr schickt Russland nach Serbien auch Spezialisten für je drei Monate, die einer russischen Sonder-Rettungseinheit angehören. Jeder dieser Retter hat mehrere Ausbildungen, vom Taucher über den Feuerwehrmann bis hin zum Bergretter. Diese drei Spezialisten helfen bei der Ausbildung serbischer Kader dort, wo es fachliche Lücken gibt, wie etwa die Rettung von Menschen aus schwer zugänglichen Gebieten.“    



Soforthilfe leistete Russland auch bei den Überschwemmungen vor zwei Jahren. Dieser Einsatz ist ein gutes Beispiel dafür, warum die serbische Bevölkerung Russland als weit größeren Helfer wahrnimmt als die EU, obwohl die Realität eine völlig andere ist; dazu sagt in Belgrad der Meinungsforscher Marko Uljarevic:      



„Die EU war langsamer und lange wartete man auf Hilfe aus der EU. Als sie kam, war das Thema nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit, und so blieb auch in diesem Fall das Bild bestehen, dass Russland den Serben hilft.“



Zwar ist die EU bei weitem der größte Finanzier der Modernisierung Serbiens; doch Brüssel und viele Mitgliedsstaaten werden von weiten Teilen der Bevölkerung als Länder wahrgenommen, die Serbien dauern neue Bedingungen stellen, um der EU beitreten zu können. Besonders negativ wirkt sich dabei aus, das viele dieser Bedingungen vom Nachbarn Kroatien kommen, mit dem die Beziehungen seit mehr als 20 Jahren belastet sind. Umfragen zeigen, dass die Serben kaum eine Ahnung davon haben, wie enorm die enorme die Hilfe der EU ist, betont Marko Uljarevic:  



„Russland wird als Land wahrgenommen, dass Serbien am meisten hilft, obwohl wir wissen, dass objektive Zahlen wirtschaftlich eine völlig andere Sprache sprechen. So ist die Hilfe Russlands im Vergleich zur Hilfe der EU und Deutschlands praktisch vernachlässigbar. Doch mit Russland sind das vor allem gefühlsmäßige Bindungen, und das geschaffen Bild, dass Russland Serbien schützt, hängt mit dem Kosovo zusammen. Andererseits ist die Hilfe aus der EU eine rationale Angelegenheit, die sich viel schwieriger verbreiten lässt. Außerdem sind die gefühlsmäßigen Beziehungen zu Russland jahrhundertelang gepflegt worden und darauf lässt sich leicht aufbauen, dass Russland international die serbischen Interessen verteidigt.“



Hinzu kommt die prorussische Kampagne in vielen serbischen Medien. Alles Gute kommt von Putin, alles Schlechte von USA, EU und NATO. Noch ist eine Mehrheit für den Beitritt, doch ob diese Stimmung so lange anhält bis Serbien tatsächlich beitrittsreif sein wird, muss offen bleiben.