Aufnahmezentrum für Migranten in Agram

Kroatien / Radio / MiJ / 2016-10-15 12:00

Einleitung

Seit März dieses Jahres ist die Balkanroute für Flüchtlinge und Migranten offiziell geschlossen. Deutlich zugenommen haben seit dem illegale Grenzübertritte in die Länder des Balkan. In Bulgarien und Serbien sollen sich derzeit jeweils etwa 7.000 Migranten aufhalten, die weiter nach Deutschland, Österreich und andere EU-Länder wollen. Hauptsächlich wird eine illegale Einreise über Ungarn

Detail

Seit März dieses Jahres ist die Balkanroute für Flüchtlinge und Migranten offiziell geschlossen. Deutlich zugenommen haben seit dem illegale Grenzübertritte in die Länder des Balkan. In Bulgarien und Serbien sollen sich derzeit jeweils etwa 7.000 Migranten aufhalten, die weiter nach Deutschland, Österreich und andere EU-Länder wollen. Hauptsächlich wird eine illegale Einreise über Ungarn versucht, eine weitere Route führt aber auch über Kroatien und Slowenien. Das schlägt sich auch in Aufgriffen nieder; in den Monaten August und September griff Slowenien insgesamt fast 300 Personen auf, die illegal aus Kroatien einreisten, während es im Mai und Juni nur insgesamt etwas mehr als 100 Personen waren. Gleichzeitig schickte Slowenien in den ersten neun Monaten 400 Personen nach Kroatien zurück, aus Österreich waren es etwa 1.300 Personen binnen Jahresfrist. Diese Menschen aber auch neue Asylwerber werden in Kroatien in zwei Aufnahmezentren untergebracht. Das kleinere liegt in der Stadt Kutina, das größere ist das ehemalige Hotel Porin in ZAGREB. Dieses Aufnahmezentrum hat unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz besucht; hier sein Bericht:



Kroatisch-Stunde im Asylzentrum Porin; zwei Lehrerinnen unterrichten sieben Personen; die meisten sind junge Männer und stammen aus dem Iran. Bearbeitet wird ein kurzer Text über das Freizeitverhalten der Kroaten. Sechs Stunden Unterricht hat diese Gruppe pro Woche; der 20-jährige Farsan kam aus dem Iran über die Balkan-Route nach Kroatien:



„Ich verstehe wenig, lerne aber erst zwei Monate.“



Lehrerin Natascha ist mit dem Fortschritt ihrer Schüler zufrieden; Verständigungsprobleme hatten auch die Lehrerinnen, erzählt Natascha:



„Zum Glück wir haben eine Teilnehmerin, die sehr gut Englisch spricht, die beim Erklären helfen kann, weil die Verständigung schwierig ist.“



Kroatisch-Unterricht ist eines der Angebote im Aufnahmezentrum Porin in Agram; hinzu kommen ein Turnsaal, Kindergruppen und natürlich auch ein Raum mit Wlan. Pro Tag gibt es drei Mahlzeiten, Mittag- und Abendessen sind warme Speisen, die zugeliefert werden. Porin hat 600 Betten, 520 davon sind derzeit belegt; die Fluktuation ist groß, weil Kroatien eben vor allem nur Transitland auf dem Weg nach Norden ist. Die ethnische Zusammensetzung der Bewohner von Porin, beschreibt die Leiterin des Aufnahmezentrums, Anita Dakic, so:  

„Die meisten hier kommen aus Afghanistan, Iran und Syrien. Dann haben wir hier noch Bürger aus Pakistan und den Ländern des Maghreb, sprich aus Nordafrika. Die meisten Familien kommen aus Afghanistan und Syrien, während alle übrigen alleinstehenden Männer aus den übrigen Ländern kommen."



Nach Dakics Angaben sind 80 Prozent der Bewohner alleinstehende Männer, der Rest sind Familien und Ehepaare, die getrennt untergerbacht sind; dazu gehören Leal und Emil; Leal ist eine orthodoxe Christian aus Syrien; ihr Mann ein koptischer Pastor aus Ägypten. Nach Kroatien kamen sie binnen zwei Tagen über Ägypten und die Türkei mit dem Flugzeug. Leal ist Tattoo-Künstlerin; wenn sie Asyl bekommt, will sie in Agram ein Geschäft eröffnen, sagt Leal:



„Kroatien ist schön in jeder Hinsicht; die Menschen sind nett, die Natur ist schön, ich fühle mich bereits zu Hause, man gewöhnt sich.“



In Porin dürfen Asylwerber an sich nur bis zum Abschluss ihres Verfahrens bleiben. Pro Kopf und Monat bekommen sie ein Taschengeld von umgerechnet 13 Euro. Doch es gibt auch mehr als 20 Personen, die in Porin wohnen, obwohl sie Asylstatus erhalten haben, weil Unterkünfte nur auf dem freien Markt verfügbar sind. Generell sehen die meisten Bewohner Porin und Kroatien aber nur als Zwischenstation, weil die sozialen Rahmenbedingungen in anderen EU-Staaten oft besser sind.