Reportage von der Balkanroute aus Bosnien

Bosnien / Fernsehen / ZiB2 / 2018-09-20 22:00

Einleitung

Auch in Salzburg hat die bei ihrem Gipfeltreffen keine einheitliche Linie in der Frage der Migration finden können. Umstritten bleiben die Aufteilung der Migranten und sogar die Stärkung der EU-Polizeibehörde FRONTEX, die für den Schutz der Außengrenzen der EU zuständig ist. Während die europäischen Staaten streiten, nimmt die Belastung der Staaten des ehemaligen Jugoslawien durch die neue Balkan-Route deutlich zu. So registrierte allein Bosnien und Herzegowina in den ersten sieben Monaten dieses Jahres etwa 12.000 Migranten, das ist zehn Mal mehr als im gesamten Jahr davor. Die mit Abstand größte Gruppe bilden Bürger aus Pakistan. Nach

Detail

Auch in Salzburg hat die bei ihrem Gipfeltreffen keine einheitliche Linie in der Frage der Migration finden können. Umstritten bleiben die Aufteilung der Migranten und sogar die Stärkung der EU-Polizeibehörde FRONTEX, die für den Schutz der Außengrenzen der EU zuständig ist. Während die europäischen Staaten streiten, nimmt die Belastung der Staaten des ehemaligen Jugoslawien durch die neue Balkan-Route deutlich zu. So registrierte allein Bosnien und Herzegowina in den ersten sieben Monaten dieses Jahres etwa 12.000 Migranten, das ist zehn Mal mehr als im gesamten Jahr davor. Die mit Abstand größte Gruppe bilden Bürger aus Pakistan. Nach Angaben der EU befanden sich im September etwa 4.000 Migranten noch in Bosnien; einen Schwerpunkt bildet die 40.000 Einwohner zählende Gemeinde Velika Kladusa, die nur wenige Kilometer von der kroatischen Grenze entfernt ist:

 

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Bosnien und Herzegowina

Insert1: Vladimir Mitkovski, Internationale Organisation für Migration (IOM)

Insert2: Fikret Basic, Vorsitzender des Gemeinderats von Velika Kladusa

Insert3: Peter Skrbis, Slowenische Grenzpolizei

Gesamtlänge: 2’39

Essensausgabe im Aufnahmelager am Stadtrand der Gemeinde Velika Kladusa im Grenzgebiet von Bosnien zu Kroatien. Verpflegt werden die etwa 250 Personen vom Roten Kreuz; finanziert wird die Versorgung von der UNO, konkret von der Internationalen Organisation für Migration. Sie macht sich Sorgen wegen der kommenden kalten Jahreszeit:

"Wir appellieren regelmäßig an die Behörden, einen anderen Ort für die Unterbringung zu finden, damit man nicht unvorbereitet ist, wenn der Winter kommt. Man ist schon sehr spät dran; wir als internationale Organisation können nur warten, bis eine Entscheidung fällt. Logistisch sind wir bereit dafür, was die Infrastruktur und die Unterbringung betriff."

Besorgt ist auch die Gemeinde Velika Kladusa; einerseits hat sie bereits 175.000 Euro für Wasser- und Stromversorgung sowie für die medizinische Behandlung in der Ambulanz aufwenden müssen; anderseits fürchtet sie, dass Migranten verstärkt in unbewohnte Häuser ziehen könnten:

"Viele Häuser stehen leer, weil ihre Eigentümer im Ausland arbeiten. Wir fürchten, dass die Migranten Unterschlupf in festen Objekten suchen und unbefugt in diese Häuser eindringen könnten. Dann werden wir ein großes Problem haben, wie wir einerseits sicherstellen können, dass diese Menschen nicht in der Kälte sind, andererseits müssen wir aber auch das Privateigentum der Bürger schützen."

Das Lager bewohnen überwiegend Männer; es dominieren Migranten aus Pakistan und Nordafrika. Familien bringt die IOM etwa 60 Kilometer entfernt in einem angemieteten Hotel unter, das 400 Personen Platz bietet. Derzeit sind etwa 300 Personen hier; die Zahl schwankt; immer wieder gelingen Übertritte über die nur wenige Kilometer entfernte grüne Grenze zwischen Bosnien und Kroatien. Das nächste Ziel ist dann die Grenze zu Slowenien, die nur 80 Kilometer von Velika Kladusa entfernt ist:

"Bis Mitte September haben wir mehr als 6.000 illegale Grenzübertritte vereitelt. Im Vergleich zum Vorjahr waren das damals 1.200, somit hat sich die Zahl der Aufgriffe etwa verfünffacht. Zurückzuführen ist das auf die neue Balkanroute, die von Griechenland über Albanien, Montenegro nach Bosnien und Herzegowina führt."

Slowenien ist weiterhin vor allem Transitland; denn die Migranten, die Velika Kladusa erreicht haben, wollen weiter nach Italien und in andere Länder der EU aber jedenfalls nicht im ehemaligen Jugoslawien bleiben.