Lokalaugenschein an der Nebenroute des Balkan

Bosnien / Fernsehen / ZiB2 / 2018-06-05 22:00

Einleitung

Am Balkan wird die klassische Route für die Migration weiter stark überwacht. Doch zunehmend Ankünfte aus der Türkei nach Griechenland sowie die Visafreiheit, die zwischen Serbien und dem Iran sowie zwischen der Türkei und Bosnien besteht, führt seit einigen Monaten nun wieder zu stark steigenden Migrationsbewegungen. Ein Brennpunkt der neuen Route ist nun Bosnien und Herzegowina; seine Außengrenze mit Kroatien ist mehr als 1000 Kilometer lang und die kroatische

Detail

Am Balkan wird die klassische Route für die Migration weiter stark überwacht. Doch zunehmend Ankünfte aus der Türkei nach Griechenland sowie die Visafreiheit, die zwischen Serbien und dem Iran sowie zwischen der Türkei und Bosnien besteht, führt seit einigen Monaten nun wieder zu stark steigenden Migrationsbewegungen. Ein Brennpunkt der neuen Route ist nun Bosnien und Herzegowina; seine Außengrenze mit Kroatien ist mehr als 1000 Kilometer lang und die kroatische Grenzpolizei hat daher auch die Überwachung dieser Außengrenze verstärkt. Ein Sammelpunkt für Migranten, die nach Kroatien einreisen wollen liegt im Gebiet der bosnischen Stadt Velika Kladusa. Hier sind auch Schlepper aktiv, deren Aktivitäten wieder deutlich zugenommen haben; ein Lokalaugenschein von Christian Wehrschütz

Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Kroatien/Bosnien und Herzegowina

Insert1: Sehida Bihorac, Grundschullehrerin aus Velika Kladusa    

Insert2: Gilio Toic Sintic, stellvertretender Leiter der kroatischen Grenzpolizei

Aufsager: Christian Wehrschütz aus Velika Kladusa  

Eintausend Kilometer lang ist die Grenze zwischen Kroatien und Bosnien, etwa die Hälfte davon eignet sich vom Gelände her für illegale Grenzübertritte. Die bosnische Stadt Velika Kladusa, wenige Kilometer hinter der Grenze, sie ist ein Sammelpunkt für Migranten. Vereinzelt sieht man sie im Park in der Innenstadt; das Zeltlager liegt aber am Stadtrand; etwa 70 Personen lagern hier, Afghanen, Kurden aus dem Irak, Iraner, Pakistani und Syrer. Einer von ihnen heißt Salah; er ist kein Neuankömmling:

„Ich lebe schon drei Jahr in Deutschland; hierhergekommen bin ich, um meine Frau zu holen; doch der Rückweg ist ein Problem, wegen der Kontrolle durch Kroatien“

Velika Kladusa zählt 40.000 Einwohner, vorwiegend Bosniaken; die Bevölkerung hilft mit Medikamenten, Nahrung und Kleidung, während die Gemeinde selbst überfordert ist.

„Sie bleiben länger als einige Tage und es werden immer mehr.. Die Menschen hängen von uns ab, was wir ihnen helfen und geben können, die einfachen Leute, die Bürger.“

Der Grenzübergang Maljevac liegt etwa fünf Kilometer von Velika Kladusa entfernt. Hier versuchen immer wieder Schlepper in Bussen oder Lkws Migranten über die Grenze zu schmuggeln. In den ersten vier Monaten griff die kroatische Grenzpolizei 1760 Migranten auf, das ist eine Zunahme um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr:

"Nun kommen auch Bewohner aus Nordafrika, Tunesien, Algerien und Marokko. Außerdem nehmen Bürger aus der Türkei und dem Iran zu. Türkische Staatsbürger können ohne Visum nach Bosnien einreisen; das bildet einen gewissen Anreiz. Für Iraner wiederum gilt Visafreiheit nach Serbien. Da erwarten wir höhere Zahlen, weil viele Iraner bereits in Serbien sind. Was Geschlecht und Alter betrifft, sind das jetzt vorwiegend Männer jüngeren Alters."

Nach Angaben der Grenzpolizei ist Kroatien derzeit selbstständig in der Lage, seine Grenze zu schützen. Ob das so bleibt, werden die kommenden Monate zeigen.