Salzburger Rückkehrer in Derventa

Bosnien / Fernsehen / Salzburg Radio Aktuell / 2016-09-27 19:00

Einleitung

Im ehemaligen Jugoslawien sind verstärkt auch Firmen aus Salzburg tätig. Sechs von ihnen haben Niederlassungen und Fabriken in der nordbosnischen Stadt Derventa; sie liegt nur eine halbe Autostunde vom EU-Land Kroatien und der Autobahn entfernt, die von Belgrad bis nach Salzburg führt. Genutzt werden in Derventa die niedrigen Lohnkosten und die Tatsache, dass bei der Betriebsansiedlung auch das Kind einer ehemaligen Gastarbeiterfamilie hilft, die in einem Hotel in Fuschl am See gearbeitet hat

Detail

Im ehemaligen Jugoslawien sind verstärkt auch Firmen aus Salzburg tätig. Sechs von ihnen haben Niederlassungen und Fabriken in der nordbosnischen Stadt Derventa; sie liegt nur eine halbe Autostunde vom EU-Land Kroatien und der Autobahn entfernt, die von Belgrad bis nach Salzburg führt. Genutzt werden in Derventa die niedrigen Lohnkosten und die Tatsache, dass bei der Betriebsansiedlung auch das Kind einer ehemaligen Gastarbeiterfamilie hilft, die in einem Hotel in Fuschl am See gearbeitet hat. Aus Derventa berichtet Christian Wehrschütz:



Derventa war nach dem kroatischen Vukovar die Stadt, die im Jugoslawien-Krieg am meisten gelitten hat. Anderseits ist Derventa nun die Stadt mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit in Bosnien und Herzegowina. Warum das so ist, zeigen bereits die Rot-Weiß-Roten-Fahnen österreichischer Firmen an der Stadteinfahrt. Dort hat auch die Firma von Bojko Gataric ihren Sitz, einem der drei größten Händler von Büromaterial im ehemaligen Jugoslawien. Der 48-jährige kam mit seinen Eltern im Alter von zwei Jahren nach Österreich; Bojko Gataric:



"Für mich war immer das Land Österreich wie meine Heimat, weil dort bin ich als Kind aufgewachsen, dort habe ich kennengelernt, wie es sein sollte mit dem Weihnachten mit den Feiertagen."



Gataric verbrachte einen Teil seiner Schulzeit in Derventa, arbeitete dann aber viele Jahre für Salzburger Firmen. Ab 1993 baute er aber nebenbei in Derventa einen Kopier- und Schlüsseldienst und einen Handel mit Büromaterialien auf. Das Geschäft wurde immer größer, daher kehrte der viel Energie ausstrahlende bullige Mann vor 16 Jahren in seine Heimatstadt zurück, und zwar mit seiner Familie, die ihn nicht alleine lassen wollte. Für den Sohn war die Umstellung auf den Schultag sehr schwer, erinnert sich Bojko Gataric:



Da geht man rein, und da gibt es kein Glas in den Fenstern, sondern nur Nailon, das auch schon sehr viele Löcher hatte. Es hat durchgeregnet; diesen Augenblick, so etwa vergesse ich nie von meinem Sohn. Der ist da gesessen wie ein Stein, und die Lehrerin hat ihn dann vorgestellt und hat gesagt: "Das ist der Dean Gataric, der ist zurück aus Österreich." Und die Kinder haben so geschaut, wie wenn er nicht normal ist; jeder will raus, und der kommt zurück."



Gataric produziert nun Eigenmarken in China und exportiert von Derventa aus auch in neun Länder der EU. Geblieben ist Bojko Gataric die Liebe zu Salzburg:

"Ich fahre immer im Dezember, im Juli ein Mal sieben, zehn Tage nach Wien und Salzburg. Ich brauche das, ich fahre dorthin zum Auftanken - die Luft, die Menschen, wie man lebt, das brauche ich einfach, und dann komme ich zurück mit vollem Elan und mache dann weiter hier."