40 Jahre Haft für Radovan Karadzic

Bosnien / Fernsehen / ZiB1 / 2016-03-25 19:30

Einleitung

In Den Haag hat das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt; die Anklage hatte lebenslänglich gefordert. Der ehemalige Führer der bosnischen Serben wurde unter anderem wegen des Terrors gegen die Zivilbevölkerung von Sarajewo für schuldig gesprochen. Radovan Karadzic war mehr als 20 Jahre auf der Flucht, ehe er 2008 in Belgrad gefasst wurde. Der Prozess in Den Haag dauerte sechs Jahre. Auch in Srebrenica verfolgten Hinterbliebene der Opfer des Massakers die Urteilsverkündung:

Detail

In Den Haag hat das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt; die Anklage hatte lebenslänglich gefordert. Der ehemalige Führer der bosnischen Serben wurde unter anderem wegen des Terrors gegen die Zivilbevölkerung von Sarajewo für schuldig gesprochen. Radovan Karadzic war mehr als 20 Jahre auf der Flucht, ehe er 2008 in Belgrad gefasst wurde. Der Prozess in Den Haag dauerte sechs Jahre. Auch in Srebrenica verfolgten Hinterbliebene der Opfer des Massakers die Urteilsverkündung:



Berichtsinsert: Christian Wehrschütz aus Srebrenica



Inserts: Sadik Selimovic, Hinterbliebener



Gesamtlänge: 1’21

Ein kurzes Gebet am Grabe der Verwandten in der Gedenkstätte in Potocari; dann versammelten sich einige Hinterbliebene der Opfer des Massakers vom Srebrenica im Ausstellungsraum, wo die Urteilsverlesung direkt übertragen wurde. Sie dauerte zwei Stunden. Schuldig gesprochen wurde Karadzic in 10 von 11 Anklagepunkten, unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und wegen strafrechtlicher Verantwortung für das Massaker in Srebrenica. Karadzic nahm die verhängten 40 Jahre gefasst auf.Emotioneller reagierten die Zuschauer in Potocari; an einen Beitrag zur Aussöhnung glaubt kaum einer:  



"Das Urteil wird nichts bringen. Wir als Opfer sind über einige Punkte erzürnt, während es die andere Seite als zu hoch bewerten wird."



Ist nicht wenigstens das Strafausmaß eine persönliche Genugtuung



"Von 40 Jahren für Kardzic habe ich nichts. Ich würde mir vielmehr wünschen, dass dieses Urteil künftigen Generationen eine Lehre ist, dass man nicht auch noch Studentenheime nach Karadzic benennt."



Gerade das tat Milorad Dodik, der Präsident des serbischen Teilstaates von Bosnien vor wenigen Tagen. Für Karadzics Opfer war es eine Beleidung, für Bosnien ein Zeichen, wie sehr Politiker noch immer bereit sind, die nationalistische Karte zu spielen, wenn sie es für nützlich halten.