Erster Jahrgang absolvierte HTL in Shkodra

Albanien / Radio / MiJ / 2013-07-17 12:00:00

Einleitung

Der Norden Albaniens zählt zu den Entwicklungsschwerpunkten Österreichs am Balkan. Das zeigt sich nicht nur an der massiven wirtschaftlichen Präsenz, sondern an einer HTL, die seit sieben Jahren in der Stadt Shkodra besteht und zum großen Teil v

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Der Norden Albaniens zählt zu den Entwicklungsschwerpunkten Österreichs am Balkan. Das zeigt sich nicht nur an der massiven wirtschaftlichen Präsenz, sondern an einer HTL, die seit sieben Jahren in der Stadt Shkodra besteht und zum großen Teil vom Unterrichtsministerium in Wien finanziert wird. Die Unterrichtssprache ist vorwiegend Deutsch. Der erste Jahrgang hat nun diese HTL abgeschlossen. Insgesamt 36 junge Albanerinnen und Albaner bekamen gleich zwei Maturazeugnisse, ein albanisches und ein österreichisches, das auch zu einem Studium in der EU berechtigt, dass sich viele Absolventen allerdings nur schwer leisten können. Bei der Maturafeier dabei war unser Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz, der den folgenden Bericht über die HTL und ihre Schüler gestaltet hat:


Als wahre Champions fühlten sich die 36 Maturantinnen und Maturanten als sie nach mehr als einer Stunde Abschlussfeier ihr Maturazeugnis schließlich in Händen hielten. Das Gefühl bestand zu Recht, denn sechs harte Jahre in der HTL fanden einen krönenden Abschluss. Abgesehen von der Fachausbildung in Informatik, Elektrotechnik und Softwareentwicklung sind neben Albanisch noch Englisch und Deutsch zu bewältigen, das die dominante Unterrichtssprache ist. 25 österreichische und 8 albanische Lehrer unterrichten an der HTL. Vermittelt wird nicht nur Wissen; anpassen müssen sich die albanischen Jugendlichen auch an österreichische Gepflogenheiten, wie HTL-Direktorin Gerinde Tagini betont:

„Von der Kultur her spielt auch eine Rolle, dass Pünktlichkeit eigentlich nicht wichtig ist, was uns als österreichische Schule oft sehr viel Kopfzerbrechen bereitet. Was aber im positiven Sinne wieder sehr interessant ist, dass die Schüler sehr offen sind, und sich ohne Probleme auch in der Fremdsprache sprechen.“

Einen weiteren großen Unterschied zu albanischen Unterrichtsmethoden schildert die Maturantin Juli Kepi:

„Früher in unserer Grundschule war die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer diktatorisch. Die Lehrer mussten immer sagen, was jeder Schüler machen muss. In dieser Schule haben wir gelernt, die Position ist gleich, nur die Aufgaben sind verschieden.“

Am größten ist der Kulturschock für die Mädchen, die ein Drittel der 260 Schüler stellen. Unterrichtet von selbständigen Lehrerinnen lebt die 21-jährige Kepi außerhalb der Schule in einer Realität, die etwa dadurch gekennzeichnet ist, das es in Shkodra ganz normale Kaffees gibt, die nur Männer betreten dürfen. Ausgehen und Fortgehen ist am Abend entweder nur in einem weiblichen Rudel oder in Begleitung eines männlichen Verwandten möglich. Zu diesem Spannungsverhältnis sagt Kepi:

„Diese Differenz macht unser Leben etwas schwierig; wir lernen etwas anderes in der Schule und wenn wir in die Familie kommen, möchten wir immer leben, wie wir es in der Schule gelernt haben. Aber unsere Eltern erlauben uns das nicht. Aber auch unsere Eltern haben gelernt, uns zu verstehen, und so zu wohnen wie die Österreicher – ein Bisschen, nicht so ganz.“

Juli Kepi hat einen älteren Bruder; gemeinsam leben sie in einem schönen Haus in der Nähe der Schule; gebaut hat es ihr Vater als er noch als Mechaniker Arbeit hatte. Die Mutter ist Lehrerin in einer Privatschule. Juli wird ab Herbst in Tirana Informatik studieren; wohnen wird sie mit fünf Mädchen in einem Haus, das der Katholischen Kirche gehört. Die Monatsmiete beträgt 50 Euro. Die Eltern unterstützten ihre Tochter doch es gebe auch unterschiedliche Auffassungen zur Lebensplanung, sagt Juli Kepi:

„Es gibt Situationen, wo wir ganz anders denken; zum Beispiel ist für mich die Ausbildung sehr wichtig, eine Karriere machen. Für Sie ist auch die Familie der zweite Punkt; für mich ist die Familie vielleicht der fünfte Punkt in meinem Plan.“

Ein Studium im Ausland war für die Familie zu teuer; doch Juli Kepi wird ihren Weg gehen, zu dem die HTL eine gute Basis legte. Das wissen auch die anderen Maturanten, die trotz hoher Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise einer für albanische Verhältnisse eher gesicherten Zukunft entgegen sehen können.